Lichtblicke – die positiven Ausnahmen finden

Der Blick zurück, um nach vorne zu schauen

Es lohnt sich nicht nur aus Fehlern, sondern ebenso aus kleineren oder grösseren Erfolgen der jüngeren Vergangenheit zu lernen. Lichtblicke und positive Ausnahmen können den Weg weisen, wie eine aktive Zukunftsgestaltung gelingen kann. In der modernen Strategieentwicklung wird nicht umsonst die Frage gestellt, auf welchen Stärken man aufbauen kann, um diese für zukünftige Erfolge nutzen zu können.

Unser Motto für 2022 „wir haben es in der Hand“ baut auf dieser wichtigen Erkenntnis auf. Nach 5 erfolgreichen Jahren wagen wir den Blick zurück, um mit Elan und Freude nach vorne zu schauen.

In ihrem Buch «Switch» beschreiben die Gebrüder Heath einen besonderen Lichtblick als Ausgangspunkt für eine grosse Veränderungen zum Guten. Ihr bemerkenswertes Beispiel handelt von einem Amerikaner namens Jerry Sternin. Ohne grosse finanzielle Mittel stellte er sich Ende der 1990er Jahre der Herausforderung in 6 Monaten die Fehlernährung von Kindern in Vietnam zu verbessern. Sein Ansatz war nicht der des Heilsbringers, der die Lösung bereits kannte. Vielmehr arbeitete er zusammen mit Müttern in verschiedenen Dörfern, die seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Was hatte er beobachtet? Einzelne Kinder waren trotz der Armut grösser und gesünder als andere Kinder in denselben Umständen. Der Unterschied: sie assen zwar gleich viel, dies aber auf vier statt auf zwei Mahlzeiten verteilt. Ihre Eltern fütterten sie aktiv und ermutigten sie, auch dann zu essen, wenn sie krank waren. Die Mütter mischten Süsskartoffelblätter und kleine Krebse aus den Feldern unter den Reis. Sternin bildete nun Kochgruppen, in denen diese Mütter ihr Wissen verbreiten konnten. Nach 6 Monaten waren 65% der Kinder in den beteiligten Dörfern besser ernährt. In den folgenden Jahren verbreitete sich das Programm und erreichte insgesamt 2.2 Millionen Menschen in 265 Dörfern.

Was hatte Sternin genau getan? Er hatte aktiv die positive Ausnahme gesucht und sie vor Ort gefunden. Statt sich entmutigen zu lassen vom geringen Budget, hatte er durch genaues Hinschauen eine Lösung entdeckt, die so offensichtlich wie ignoriert gewesen war. Er konnte damit über Erfolgsbeispiele einen entscheidenden Impuls zu einer Veränderung zum Positiven geben.

Unsere Neujahrsaktion verbindet sich mit diesem Thema der positiven Ausnahme.

  1. Als Skillsgarden durften wir beim „Atelier du futur“ der Mobiliar, einem Sommer Camp für junge Menschen, mitwirken und wollen auch im nächsten Jahr dazu beitragen, positive Veränderung mit dieser gelungenen Mischung aus Spass und Kreativität hervorzubringen.
  2. Wir durften für das Unternehmen Agathon AG im solothurnschen Bellach eine Trainingsreihe umsetzen, in deren Mittelpunkt das Buch „Switch“ stand. Die im Buch verwendeten Metaphern zeigten grosse Wirkung und wir wollen auch im nächsten Jahr, Führungskräfte mit solchen starken Bildern zu echten Veränderungen inspirieren.
  3. Für die Schaerer AG durften wir alle Mitarbeitenden in Trainingsgruppen von 10 Personen in Feedbacktechniken schulen. Wir wollen auch im nächsten Jahr überzeugende Wirkung für alle Hierarchieebenen eines Unternehmens erzielen.
  4. Wir konnten mit unserer Community-Initiative Jobgarden ein Pilotprojekt mit Jobjägern umsetzen. Auch im nächsten Jahr wollen wir Einzelpersonen zusammenbringen und die gegenseitige Unterstützung bei der Stellensuche fördern.
  5. Unsere Firmengründerin Ina Goller durfte auf zahlreichen Events und Konferenzen als Key Note Speakerin auftreten und konnte dazu beitragen, das Thema Psychologische Sicherheit in der Arbeitswelt zu verbreiten. Auch im nächsten Jahr wollen wir über solche Vorträge mehr Menschen erreichen und für das wichtige Thema „Menschlichkeit und Erfolg“ in der Arbeitswelt begeistern.

Finden auch Sie ihre positiven Ausnahmen in 2021 und nutzen Sie den Rückenwind, den diese Lichtblicke für 2022 erzeugen können.

 

 

Und es gibt noch so viel mehr Inspirationen zu diesem Thema. Wer neugierig geworden ist und sich weiter inspirieren lassen will, dem seien die folgenden Beispiele ans Herz gelegt.

Eine aktuelle Studie der ETH Zürich mit über 12‘000 Freiwilligen in 30 Ländern unterstreicht eindrucksvoll wie gerade auch in schwierigen Zeiten ein erfolgreiches Leben gelingt: „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit einem hohen Mass an Lebenssinn, die Wertvorstellungen und langfristige Ziele haben und diese engagiert verfolgen, negative Affekte [Gefühle und Stimmungen] besser verarbeiten können» schreibt José Antonio Pérez Escobar.

Als weitere, erfolgreiche Technik nennt die Studie Reframing: «Dabei handelt es sich um ein altes Hilfsmittel aus dem Werkzeugkasten der Philosophen. Es besteht im Wesentlichen darin, unsere Perspektive auf ein Problem zu ändern, um sinnvolle Lösungsansätze zu finden. Der Grund dafür ist, dass die Art und Weise, wie ein Problem formuliert und damit definiert wird, manchmal die Art und Weise einschränkt, wie es angegangen werden kann.»

Gerade zu Beginn eines neuen Jahres hilft der Blick auf diese positiven Ausnahmen. Langfristige Ziele geben eine Zukunftsorientierung, die Mut und Energie auch in schwierigen Lebensumständen gibt. Unser Freund Manoel Francisco da Silva aus der Kleinstadt Piracuruca im brasilianischen Nordosten steht stellvertretend für die vielen Helden im Kleinen. Mit 59 Jahren studiert er derzeit Statistik im Fernstudium, um im Jahr 2023 seinen Abschluss zu feiern und sein Umfrageinstitut da Gama auf einen Wachstumskurs zu bringen. Vor 30 Jahren war er ein einfacher Lehrer ohne Universitätsabschluss. Nachts arbeitete er an der lokalen Busstation und fuhr Taxi. Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen und verfolgte dennoch seine Ziele mit erstaunlicher Hartnäckigkeit. Heute kann er Bildungsangebote nutzen, die für ihn noch vor wenigen Jahren ausserhalb seiner Reichweite gewesen wären. Heute hilft er selbst den Armen seiner Stadt, die vom wirtschaftlichen Niedergang in Brasilien besonders bedroht sind. Er nutzt seine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse, wie er als positive Ausnahme der Armut entkam und unterstützt andere dabei, dass ihnen dasselbe gelingt.

Dass wir uns nichts schönreden müssen, zeigt ein gigantisches Unterfangen der New York Times zum Jahresende.  Sie veröffentlichte eine Postkartenserie mit bewegten Bildern bestehend aus 193 Teilen. Diese Zahl entspricht den Mitgliederstaaten der Vereinten Nationen. Aus jedem dieser Länder wird darin ein Ausschnitt der dramatischen Folgen des Klimawandel gezeigt. Es packt den Betrachter das nackte Grausen. Wie reagiert man auf solche Bilder? Sehr oft beobachtet man die drei V: Verdrängung, Verleugnung und Verharmlosung. Die Konsequenz aller drei ist vor allem Untätigkeit.

Der grundsätzlich andere Weg besteht nicht in haltlosem Optimismus. Statt sich jedoch deprimiert abzuwenden oder sich in extremistische Haltungen zu verirren, lohnt sich auch hier der Blick auf positive Ausnahmen. Überall auf der Welt, werden kleine und grosse Initiativen gestartet, die Erfolge bringen. Flüsse werden renaturiert, Wälder aufgeforstet, steigt das Umweltbewusstsein, ändern sich Ernährungsgewohnheiten. Es mag augenblicklich wie der Tropfen auf den heissen Stein scheinen und ist doch ein vielversprechender Anfang.