Das Märchen vom gradlinigen Verlauf des Berufslebens

Es war einmal ein Lebenslauf, der keine Fragen aufwarf. Von der Schule bis zum Rentenalter folgte ein Schritt auf den anderen. Ein massgeschneiderter Aufstieg fand statt, von der Lehre über nachvollziehbare Stationen bis zur Führungskraft. Und als das Rentenalter einsetzte, blickte die Person auf ein erfülltes, bruchloses Leben zurück, in dem es keine Umwege gegeben hatte. Mittlerweile gibt es wenige Menschen, die am Ende ihres Wegs in der Arbeitswelt auf ein solches Berufsleben zurückblicken können. Immer mehr Menschen haben es nicht einmal mehr vor. Es wird zum Märchen aus einer Vorzeit, die vergangen ist und wahrscheinlich nicht mehr wiederkommen wird.

 

In meiner Zeit an einem Maschinenbauinstitut noch in den 90er Jahren achteten meine Ingenieurkollegen peinlichst genau darauf, dass keine berufliche Verirrung ihren makellosen Lebenslauf trüben würde. In einem solch konservativen Umfeld, so war die allgemeine Vermutung, würde ein Seitenweg sofort ins Abseits führen. Arbeitslosigkeit war dabei ein Makel, dem man mit aller Macht aus dem Weg gehen musste. Heute, ca. 30 Jahre später scheint all dies wie eine Legende zu klingen, am Kamin erstaunten Kindern von Grosseltern mit wehmütiger Stimme erzählt.

 

In der Wissenschaft führt diese Entwicklung zu folgender Formulierung: „Durch diese Abkehr von klassischen „Normalbiographien“ (d. h. einem Verbleib in einem Berufs- oder Tätigkeitsfeld während der gesamten Erwerbsbiographie) ergeben sich zirkuläre und damit wiederkehrende Prozesse der Berufsfindung“*1

 

Zirkulär, welch passendes Wort. In der Gestaltung von Berufswegen, in der Planung des beruflichen Lebenswegs geistert die Illusion der Gradlinigkeit allerdings immer noch lebendig umher. Firmen entwickeln nach wie vor Entwicklungspläne für ihre talentierten Mitarbeitenden, als ob es den Aufstieg in gleicher Weise geben würde wie in jeder Zeit der linearen Karrieren. Ein Trugschluss, der bei vielen Menschen zum bösen Erwachen führt.

 

Die Skillsgarden AG geht mit ihrem Life Design einen anderen, passenderen Weg. Hier sticht ein Begriff hervor, der den seitlichen Entwicklungsperspektiven endlich Rechnung trägt: der Odysseeplan. Ein bewusst gewähltes Oxymoron (ein Begriff aus zwei Worten, die beide nichts miteinander zu tun haben), beschreibt doch die Odyssee das jahrzehntelange Umherirren des griechischen Heldens und das Wort Plan genau dessen Gegenteil. In einem geleiteten Prozess entwickeln unsere Lifedesigner drei optionale Odysseepläne ihrer persönlichen und beruflichen Zukunft. Als überaus angenehme Nebenwirkung ermöglicht dies mehrere Aussagen zur Frage, wo man sich in 5 Jahren sieht. Und es entsteht die Einsicht, dass ein nicht-lineares Berufsleben mindestens ebenso reizvoll sein kann wie der gradlinige Weg.

Autor:
Christoph Lindinger


*Kauffeld, S.,Gessnitzer, S. (2018): Coaching. Kohlhammer. Stuttgart