Es geht auch anders

Ein Blick hinter die Kulisse eines innovativen Seniorenheims

Warum Innovation und Agilität auch in einem Seniorenheim Platz finden können und nach Stand der Dinge auch finden müssen, erläuterte Theo Deutschmann, unser Gesprächspartner des 9. Skillstalks. Als Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Schönbühl in Schaffhausen, Schweiz, feiert er dieses Jahr sein 20 Jahre-Jubiläum und blickt auf eine eindrucksvolle Erfolgsbilanz zurück.

Als er im Jahr 2002 das Amt übernahm, stand das einer Stiftung gehörende Heim vor dem Aus. Mit Elan und einem nie versiegenden Ideenreichtum gelang es ihm mit seinem Geschäftsleitungsteam nicht nur einen Neubau zu realisieren, sondern im Laufe der Jahre ein Verbundsystem rund um das Thema Alter auf die Beine zu stellen. Mit dem einzigen kantonalen Hospiz, dem Spitex-Service, einem neuartigen Konzept für Demenzkranke, die in einem Quartier der Stadt Schaffhausen in das tägliche Leben integriert sind und modernen Wohnungen auf dem Gelände des Heims, wurde ein Komplettangebot geschaffen, das seines gleichen sucht.

Auch im Innenleben gibt es Neuerungen, die man ansonsten nur in besonders fortschrittlichen Organisationen findet. Seit nunmehr drei Jahren arbeiten einige Teams nach dem Agilitätsgedanken in Selbstorganisation. Gerade für hochqualifizierte Fachkräfte ist hier ein attraktives Umfeld geschaffen worden. Statt Anordnungen von Vorgesetzten in der nach wie vor sehr hierarchisch ausgerichteten Branche zu folgen, werden hier Entscheidungen gemeinsam im Team getroffen und steht das Kundenbedürfnis im Zentrum.

Auch in Schönbühl hatte es zu Beginn Missverständnisse gegeben. So hiess es von Mitarbeitenden in einem Radiointerview «man können jetzt machen, was man wolle». Dass Selbstorganisation im Gegenteil sogar die anspruchsvollere Arbeitsorganisation ist, weil man eben nicht machen kann, was man will, konnten am Ende nur einige wenige Teams in der schwierigen Pandemiezeit erfolgreich umsetzen. Ende des Jahres musste die Geschäftsleitung die Reissleine ziehen. Dort, wo Teams mit der neuen Verantwortung nicht umgehen konnten, mussten wieder Teamleitungen installiert werden. Der Betreuungsaufwand, um den gravierenden Wandel überall im Haus erfolgreich zu bewältigen, war in dieser Zeit schlicht nicht leistbar.

Eine weitere Besonderheit zeichnet das Kompetenzzentrum aus. Ethik wird grossgeschrieben. Die Auseinandersetzung aller Mitarbeitenden mit ethischen Fragen ist vorbildlich. Das Betreuungskonzept, das den Slogan des Hauses «selbstbestimmt leben – sich sicher fühlen» unterstützt, zeigt den Weg wie man eine Vision von einem Lebensort umsetzen kann, der auch für kommende Generationen attraktiv bleibt.

Für seine verbleibenden Berufsjahre wünschen wir Theo Deutschmann weiterhin viel Erfolg bei seinem unermüdlichen Einsatz für ein lebenswertes Alter.


Autor: Christoph Lindinger