Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 5

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Ausdauer

Die letzte Lernstunde endete mit der Erkenntnis von Angela Lee Duckworth1, wonach Grit (bedeutet hier Rückgrat im Sinne von Ausdauer) der wichtigste Faktor für erfolgreiches Lernen sei.
Viel Kritik hat Malcolm Gladwell2 mit seiner Behauptung auf sich gezogen, man könne auf nahezu jedem Gebiet Meisterschaft erringen, sofern man nur lange genug üben würde. Seine vom schwedischen Forscher Anders Ericsson3 übernommene 10‘000-Stunden-Formel nahm sich ein junger Amerikaner namens Dan McLaughlin4 so zu Herzen, dass er alles aufgab, um zum Profigolfer zu werden, obwohl er bisher in seinem Leben noch nie einen Golfschläger in der Hand gehalten hatte. Er schaffte es, etwas über 4‘000 Stunden an seinem Ziel zu arbeiten, und brachte es tatsächlich auf ein beachtliches Handicap. Alleine sein Körper machte die Strapaze nicht mehr mit und nach dringenden Ratschlägen seiner Ärzte nahm er Abschied von seinem Projekt. Heute führt er den Getränkehandel Portland Syrup in Portland, Oregon. Über seine Zeit als Golfschüler schreibt er in einer von der NZZ übersetzten Kolumne5, wie sehr ihn doch das Fieber während der Zeit des Übens gepackt hatte. Eine der bemerkenswerten Erkenntnisse über seine Fortschritte in dieser intensiven Lernphase war, dass er immer dann einen Sprung machte, wenn es gerade einmal ziemlich schlecht lief. Wer also aufgibt, weil etwas beim ersten oder zweiten Versuch nicht gelingen will, könnte damit den wirklichen Fehler seines Lebens machen. Umgekehrt gehört ein gehöriges Mass an Selbstkenntnis dazu, sich nicht in etwas zu verrennen, das am Ende nur Enttäuschung bereitet. Ob man wirklich 1000 Fehlversuche braucht, um wie Thomas Edison am Ende endgültig den Durchbruch zur Glühbirne geschafft zu haben, steht auf einem anderen Blatt. Der Growth Mindset erlaubt aber auch Erwachsenen, so lange bei der Stange zu bleiben, bis man die Entscheidung trifft, ob weitermachen sinnvoll ist oder nicht. Aufgeben ist dann ein bewusster Vorgang und nicht die rigide Haltungsfrage, die besagt: Ich kann das eben nicht und fertig.
Demnächst in Learninger’s Lernstunden: Welche verschiedenen Lernwege stehen heute eigentlich zur Verfügung?