Networking Schritt 1: Ziele

Glaubenssätze und Ziele beim Netzwerken

«Ja, Netzwerken ist schon wichtig, aber…» Für viele Menschen beginnt die Reise zum Netzwerken mit einem Aber und für einen Teil von ihnen endet sie leider auch dort.

Ein Grund dafür sind innere Barrieren, negative Glaubenssätze, die wir im Laufe unserer Zeit gebildet haben und welche sich auch durch berichtete Vorteile kaum ändern lassen. Glaubenssätze sind Verallgemeinerungen aus früheren Erfahrungen; seien diese selbst erlebt oder übernommen worden. Der Glaubenssatz «Ich bin zu gehemmt fürs Netzwerken» könnte dadurch entstanden sein, dass man es mehrmals nicht geschafft hat, eine bestimmte Person anzusprechen, oder dadurch, dass eine vertraute Person einem dies mehrmals gesagt hat; häufig ist es sogar beides. Diese negative Erfahrung möchte man natürlich in Zukunft vermeiden. Der eigene Glaubenssatz schützt einen davor, wobei wir da auch schon bei der Krux wären. Unser Gehirn neigt zum Energiesparen, kein Wunder, denn wir verbrauchen ca. 20 % unserer Energie für dessen Leistung und das, obwohl es gerade mal 2 % unserer Körpermasse ausmacht. Es versucht also, sich und uns die Mühen, die mit dem Verlassen unserer Komfortzone zusammenhängen können, zu ersparen. Dabei fehlt es dem Gehirn leider an Weitblick, um zu sehen, dass wir langfristig vom Netzwerken profitieren würden. Um das zu ändern, müssen wir uns jenes Mechanismus bedienen, der zur Einprägung der Glaubenssätze geführt hat: unseren Emotionen.

Es reicht somit nicht, uns den generellen Vorteilen bewusst zu sein, sondern uns erstens daran zu erinnern, welche positiven Erlebnisse wir beim Netzwerken hatten, und zweitens uns auszumalen, was wir durch das Netzwerken erreichen wollen, nämlich unser Ziel. Je stärker wir Netzwerken mit positiven Emotionen verbinden können, umso schwerer werden es hindernde Glaubenssätze haben.

Die Methode der Visualisierung wird häufig von Spitzensportlern genutzt, um ihre Performance zu verbessern. Sie spielen schwierige Situationen, Bewegungsabläufe oder Verhaltensweisen immer wieder bewusst in ihrem Kopf durch. Dies hilft, mentale Hindernisse zu bewältigen. Eine Vorgehensweise, die mentales Training genannt wird und sich eine Eigenheit unseres Gehirns zunutze macht, nämlich, dass es nicht gut zwischen Phantasie und Realität unterscheiden kann. Ein Effekt, den viele beim Schauen eines Horrorfilmes schnell bemerken – und bedauern.

Das Visualisieren unseres Ziels mit den Gefühlen, welche wir bei dessen Erreichung verspüren, verstärkt den Abbau unserer inneren Hindernisse. Das Idealbild bietet den perfekten Nährboden für ein hilfreiches (auch wenn zugegebenermassen vielleicht etwas altmodisches) Gefühl: die Sehnsucht. Ein Gefühl, welches die Macht hat, uns aus unserer Komfortzone zu ziehen.

In diesem Zusammenhang sollten wir zwischen zwei Zielarten unterscheiden; langfristigen und kurzfristigen. Mein langfristiges Ziel beim Netzwerken könnte zum Beispiel sein, einen bestimmten Job zu finden, einen grossen Bekanntenkreis aufzubauen, vernetzt und kreativ zu arbeiten u.v.m. – perfekt für eine Visualisierung des Idealzustandes, aber nicht für das Initiieren einer Netzwerkbegegnung. Menschen z. B. zu fragen, ob sie einen Job für uns haben, weckt meist nur das Gefühl des Bittstellertums, und wer hat schon stets einen Job in der Tasche, den er oder sie vergeben könnte? Im Gegensatz dazu helfen kurzfristige Ziele, die eigenen kleinen Erfolge messbar zu machen, was uns stärker ins Handeln bringt. Den Fokus kurzfristiger Ziele beim Netzwerken kann man auf zwei Dinge richten: Menschen, mit denen ich in Kontakt kommen will, sowie Informationen, die ich von anderen erhalten will.
Wie sieht das nun konkret für das Netzwerken aus? Im Folgenden stellen wir Ihnen zwei fiktive Personen vor, die Sie durch unser Modell begleiten werden und die zwei unterschiedliche Ziele und Vorgehensweisen beim Netzwerken haben: Julia und Urs.

Die Führungskraft: Julia
Julia ist 37 Jahre alt und seit kurzem Führungskraft in einem Konzern. Sie arbeitet als Teamleiterin in der IT. Ihr langfristiges Ziel ist es, mit anderen interessanten Menschen in Kontakt zu kommen, um mehr Spass bei der Arbeit zu haben.

Ihre kurzfristigen Ziele sind: Was bietet das Unternehmen zum interdisziplinären Austausch an? Wer ist an so einem Austausch interessiert? Gibt es bereits kreative Zusammenschlüsse von Menschen, denen ich mich anschliessen kann? Wer kann mir dabei helfen, ein solches Netzwerk zu finden oder aufzubauen?

Der Stellensuchende: Urs
Urs ist 52 Jahre alt und seit über einem halben Jahr arbeitssuchend. Seine letzte Position als Sachbearbeiter wurde aufgrund von Umstrukturierungen eingespart. Ihm fällt es schwer, sich mit seinen Bewerbungsunterlagen gegen die (teils jüngere) Konkurrenz durchzusetzen und er möchte deshalb mit Netzwerken eine Stelle in einem grösseren KMU finden (langfristiges Ziel).

Seine kurzfristigen Ziele sind: Wie erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, mit meinem Dossier eingeladen zu werden? Was biete ich Firmen im Gegensatz zur jüngeren Konkurrenz? Welche Firmen stellen eher ältere Arbeitnehmer ein? Zudem will er mit bestimmten Entscheidern und Vorgesetzten in direkten Kontakt kommen, aber mehr dazu in den nächsten Teilen unserer Serie.

Im Folgenden finden Sie einige Ideen für die Visualisierung und für Ihre Ziele:


(1.) Positive Erlebnisse mit Netzwerken

  • Rufen Sie sich Ihre positiven Erlebnisse mit Netzwerken in Erinnerung.
  • Wie haben Sie sich in diesen Situationen gefühlt?
  • Woran lag es, dass Sie diese Situationen positiver erlebt haben als andere?
  • Was lernen Sie daraus für Ihre persönliche Netzwerkstrategie?

(2.) Bestimmung und Visualisierung des Ziels

  • Was möchten Sie langfristig durch Netzwerken erreichen?
  • Wie werden Sie sich fühlen, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben?Versuchen Sie sich diesen Zustand und Ihre Gefühle so genau wie möglich vorzustellen. Verweilen Sie ein paar Minuten in diesem Bild und wiederholen Sie diese Übung an mehreren wiederkehrenden Tagen für ein paar Minuten.
  • Welche Informationen würden Ihnen helfen?
  • Wer kann Ihnen diese Fragen beantworten?
  • Wer kann Sie in Kontakt zu diesen Personen bringen?

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Beantwortung dieser Fragen und der Erforschung, wie Netzwerken für Sie ein positives Erlebnis wird. Fangen Sie doch gleich damit an!

Autor: Jonas Najdzion