Networking

Die wichtige Kompetenz

Wer einen runden Geburtstag feiern darf, steht immer auch vor der Frage, wer nun eingeladen werden soll. Möchte man im Freundeskreis, zusammen mit Familie und Verwandten oder gar zusammen mit Arbeitskollegen oder weit entfernten Bekannten feiern? Ein Blick in die Liste der Kontakte (ob über soziale Medien oder über analoge Kanäle) stellt viele dann vor echte Herausforderungen. Die einen stöhnen, weil sie nicht wissen, wen sie ohne Komplikationen nichteinladen dürfen, während sich die anderen den Kopf zerbrechen, wen sie überhaupt einladen können. Aktive Netzwerker und solche, die auf diesem Gebiet eher Abstinenzler sind, stehen hier vor grundverschiedenen Fragestellungen. Viele tun sich schwer beim Ansprechen von Kontakten, gerade wenn es Personen sind, die sie vielleicht länger nicht mehr gesehen haben. Dabei wären solche Anlässe perfekte Gelegenheiten, das persönliche Netzwerk zu pflegen. 

Netzwerken umfasst nebst der Pflege auch den Aufbau neuer Kontakte, sei es im privaten oder im beruflichen Umfeld. Auch wenn sich heute die Erkenntnis weitgehend durchgesetzt hat, dass Netzwerken eine wichtige Kompetenz ist und zwar nicht nur für das eigene Weiterkommen im Beruf, schrecken viele vor der Umsetzung noch zurück. Die Gründe sind vielfältig. Ob man schlechte Erfahrungen sammelte, ob es zu viel Energie kostet, ob man sich generell eher als menschenscheu sieht oder schlicht nicht weiss, wie man es angehen soll, am Ende gehen nur wenige das Netzwerken unerschrocken an. Sehr schade. Wer es schafft, neue Kontakte zu knüpfen, alte Kontakte zu pflegen und sich generell mehr für seine Mitmenschen interessiert, erlebt eine echte Bereicherung.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Nicht nur lohnt es sich, auf vielen unterschiedlichen Gebieten Menschen zu kennen, die Fragen beantworten können. Vielmehr erfährt man überraschende Anregungen und Inspiration aus Kontakten, seien sie auch noch so sporadisch. Dass sich die Stellensuche um einiges erleichtert, sobald man über ein umfangreiches Netzwerk verfügt, ist allseits bekannt. So werden je nach Statistik nur knapp ein Drittel aller Vakanzen öffentlich ausgeschrieben, der restliche Anteil wird über Kontakte vergeben1. Dass auch ein Netzwerk innerhalb eines Arbeitgebers oft genug Steine aus dem Weg räumt, erlebt man tagtäglich, über nützliche Starthilfen bei Freizeitthemen ganz zu schweigen. Einer Studie des Marktforschungsinstituts Resultate zufolge beruht beruflicher Erfolg nur zu zehn Prozent auf Kompetenz und Wissen. Wichtiger sind Kommunikation und Eigenwerbung (30 Prozent) sowie die richtigen Kontakte (60 Prozent)2.

Das Skillsgarden Modell zum Kompetenzaufbau für sinnvolles Netzwerken hilft, diese Kunst zu erlernen, auszubauen oder zu pflegen. Das gesamte Modell werden wir Ihnen im Laufe der nächsten Monate vorstellen und Tipps geben, wie Sie es für sich direkt in konkrete Aktionen umsetzen können. Wie so vieles beginnt die Reise mit der Zieldefinition und dem Blick in den Spiegel. Oft genug versperren Glaubenssätze den unbefangenen Umgang mit dem Thema. Sätze wie „Netzwerken ist nichts anderes als Einschmeicheln“; „Ich bin zu gehemmt“, „Andere Menschen interessieren mich nicht“ sind nur eine kleine Auswahl aus dem kleinen Horrorkabinett, mit dem sich viele selbst im Weg stehen. Nicht jeder hat eine politische Karriere vor Augen, für die Netzwerken unverzichtbar ist. Und dennoch lohnt es sich, die eigenen Glaubenssätze auf ihren Sinn zu überprüfen. Als hypersoziales Wesen profitieren wir zu sehr von anderen Menschen, als dass wir uns von inneren Barrieren einengen lassen sollten, doch dazu das nächste Mal mehr. 

Autor: Christoph Lindinger

Quellen:

Brenner, D. (2017). Networking im Job.Freiburg: Haufe.

Studie (2003) des Marktforschunsinstituts „Resultate“, www.resultate.de, zitiert aus Scheddin, M. (2013). Erfolgsstrategie Networking.München: Allitera.