Self-Leadership – derzeit ein gefragtes Thema

Ein neues Trend-Thema zeichnet sich ab am Horizont der Führungskräfteausbildung: Self-Leadership. Grundsätzlich ist das Thema nicht neu – im Gegenteil! Schon die Philosophen der Antike machten sich schlaue Gedanken dazu, was es heisst, sich und sein Leben sinngerichtet selbst zu steuern. So stammt beispielsweise von Sokrates die Weisheit: «Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen». In Zeiten von vielen Veränderungen bei gleichzeitig steigenden Gestaltungsspielräumen, wundert es nicht, dass das Thema neue Aufmerksamkeit erhält. Das Warum scheint naheliegend und die Wirtschaft blickt in in die Richtung der Psychologen, mit der Frage nach dem Wie. In den letzten Monaten haben wir auch bei Skillsgarden mehrere Anfragen für Trainings zu Self-Leadership erhalten. Deswegen wollen wir in diesem Blog einige Grundsätze von Self-Leadership erläutern und Tipps als Ansatzpunkte für die Praxis liefern.

 

Heute weiss man, dass viele Menschen nicht ihr ganzes Potenzial nutzen, weil sie sich bis zu einem gewissen Grad selbst im Weg stehen. Man läuft im Autopilot-Modus und kommt aus dem altbekannten Trott nicht heraus. Oder man setzt sich zwar gute Vorsätze, setzt diese jedoch nicht um, weil der innere Schweinehund am Ende doch gewinnt. Um diese selbst erschaffenen Hürden zu überwinden, braucht es Self-Leadership.

Self-Leadership bezeichnet den Prozess, des zielgerichteten „Sich-selbst-Beeinflussens“. Es geht darum, die

  • Eigenmotivation & Emotionen
  • Gedanken & Denkmuster
  • und das Verhalten

bei der Arbeit zu steuern. Häufig beobachten wir, dass Self-Leadership mit Self-Management verwechselt wird. Self-Leadership enthält zwar Elemente von Selbstmanagement, geht jedoch noch weiter. In der Führungsliteratur wird zwischen Management und Leadership eine Unterscheidung gemacht, die man auch auf Self-Management und Self-Leadership beziehen kann:

  • Management bedeutet, Dinge richtig zu tun
  • Leadership bedeutet, die richtigen Dinge zu tun

So spielen eigene Motive, die intrinsische Motivation und persönliche Stärken und Leidenschaften im Self-Leadership Ansatz eine grosse Rolle und bilden den Ausgangspunkt der selbstbestimmten Zielsetzung.

 

Warum ist das Thema gerade für Führungskräfte so relevant?

Die heutige Arbeitswelt, in der Führungskräfte (und auch Mitarbeitende) immer mehr Freiheiten erhalten und weniger „eng“ von oben kontrolliert werden, bringt die Herausforderung mit sich, ebendiese Freiräume auch zu gestalten. Führungskräfte mit hohen Fähigkeiten zur Selbstführung nutzen diese Chance, um ihren Arbeitsbereich so zu designen, dass sie bei der Arbeit Spass und Freude haben, dass diese für sie sinnstiftend ist und dass sie sich selbst darin verwirklichen können. Dies spüren auch die Mitarbeitenden und nehmen solche Führungskräfte unter anderem als dynamischer, gewissenhafter, aufgeschlossener und charismatischer wahr. Ausserdem hat die Forschung gezeigt, dass Self-Leadership positive Zusammenhänge mit Engagement, Kreativität, Innovationsfähigkeit, Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung hat.

 

Und so wird’s gemacht: 3 praktische Tipps für den Arbeitsalltag

Am Anfang steht die Selbstbeobachtung, um herauszufinden, wo man steht und wo überhaupt Einfluss notwendig ist. Dazu sollte man sich regelmässige Reflektion zur Gewohnheit machen. Idealerweise denkt man nicht nur nach sondern hält seine Gedanken fest, um später nochmals darauf schauen zu können und Muster zu erkennen.

Praxis-Tipp: Fangen Sie an ein kleines Journal zu führen, in welchem sie sowohl positive als auch negative Situationen aus dem Arbeitsalltag festhalten. Beschreiben Sie zu jeder Situation, was sie dabei gefühlt, gedacht und getan haben (also ihre Emotionen, ihre Gedanken und ihr Verhalten). Um es sich noch leichter zu machen, verbinden Sie das Journal mit einer Tätigkeit, die sie sowieso regelmässig tun und bei der Sie reflektieren können. Gehen Sie jeden Abend mit dem Hund spazieren? Dann legen Sie das Journal neben die Hundeleine. Oder in gleicher Manier neben die Zahnbürste, die Jogginschuhe oder die Fitness-Tasche.

 

Der zweite Schritt ist die zielgerichtete Selbstbeeinflussung, für welche eine Vielzahl von Strategien existieren. Da Gedanken, Emotionen und Verhalten eng miteinander zusammenhängen, wirken die meisten Strategien auch gleich auf mehreren Ebenen. Eine Strategie ist, dass man sich äussere und innere Erinnerungshilfen für seine Ziele schafft. Wie äussere Erinnerungshilfen aussehen können, erkennen Sie bereits im ersten Tipp mit der Platzierung ihres Journals. Die inneren Erinnerungshilfen sind förderliche Gedanken oder Mantras, die man sich selber immer wieder präsent macht.

Praxis-Tipp: Um auf motivierende Leitsätze zu kommen, stellen Sie übliche, hinderliche Gedanken für einmal auf den Kopf. Nehmen Sie eine Situation aus dem Arbeitsalltag, die für Sie sehr mühsam war und in der Sie gerne anders fühlen oder denken würden. Schreiben Sie als erstes alle negativen, zynischen, nörglerischen Gedanken auf, die Ihnen in dieser Situation oder auch im Nachhinein durch den Kopf gingen oder gehen. Stellen sie nun jeden Gedanken auf den Kopf, indem Sie ihn in ein richtig positives Gegenteil umwälzen. Versuchen Sie die Umformulierung zugkräftig zu machen und nicht bloss eine schwache Verneinung einzufügen. Hier ein Beispiel, wie das klingen könnte.

  Negativer Gedanke   Schwache Verneinung   Zugkräftiger positiver Gedanke
  • «Es bleibt wieder einmal alles an mir hängen!»
  • «Wenn ich will, dass etwas richtig gemacht wird, muss ich es selbst machen»
  • «Es bleibt nicht alles an mir hängen»
  • «Ich muss nicht alles selbst machen»
  • «Ich bin der Retter in der Not!»
  • «Ich habe hilfsbereite, kompetente Kollegen, die mich unterstützen können»

 

Im letzten Schritt geht es darum, erfolgreiches Self-Leadership auf andere Bereiche und die Führung anderer zu übertragen. Führungskräfte können ihre Self-Leadership Fähigkeiten dazu nutzen, ihre eigenen Führungsaufgaben sinnvoll zu steuern und zu gestalten. Oder sie können ihre Mitarbeitenden bei der Entwicklung derer Self-Leadership Skills unterstützen. Und die einzelnen Self-Leadership Strategien lassen sich sogar im Team umsetzen, so dass daraus Team-Leadership wird.

Praxis-Tipp: Selbstbeobachtung funktioniert auch ganz hervorragend im Austausch mit anderen. Fördern Sie die Reflektionsfähigkeiten Ihrer Mitarbeitenden und Ihres Teams mit hilfreichen Fragen. Regen Sie damit die Gedanken Ihrer Mitarbeitenden an und verzichten Sie gezielt darauf, selbst Antworten zu liefern. Dies funktioniert sowohl in Einzelgesprächen als auch in Teamsitzungen. Hier ein paar Beispiele:

  • Bei welchen Aufgaben blühst du bei der Arbeit auf?
  • Bei welchen Fragen oder Herausforderungen bitten deine Teamkollegen dich um Hilfe?
  • Wobei resignierst du und weshalb?
  • In welcher Situation sind wir als Team über uns hinaus gewachsen?
  • Was macht unser Team einzigartig?
  • Wo stehen wir uns als Team gegenseitig im Weg?

 

Die vorgestellten drei Tipps sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem vielfältigen Fundus an Methoden, die man zur Selbstführung nutzen kann. Am besten probieren Sie sie einfach mal aus und beeinflussen sich damit zielgerichtet selbst, bei der nächsten Gelegenheit, wo sich Freiheiten bei der Arbeit bieten.

 

Autorin: Katrin Hasler