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Des Lebens Lauf

Ein CV ist nicht gleich ein CV

Mehrmals im Jahr gebe ich Kurse zur Überarbeitung von Lebensläufen, so auch in den letzten beiden Monaten. Leider löst das Thema selten Freude bei den Teilnehmern aus und es entstehen die hitzigsten Diskussionen darum, wieso man denn schon wieder einen Blick auf den Lebenslauf werfen sollte. Viele Teilnehmer finden es schlichtweg frustrierend, den Lebenslauf immer wieder zu besprechen, und andere haben ihre Version gefunden und bleiben strikt dabei. Es erscheint einfach zu müssig, immer wieder Änderungen vorzunehmen, und sowieso: Jede und jeder hat eine eigene Meinung darüber, was einen guten Lebenslauf ausmacht (ich übrigens auch).

Hier einmal ein paar Ideen, wieso es sich trotzdem lohnt, einen erneuten Blick auf den eigenen Lebenslauf zu werfen.

Die Art der Bewerbung

Die Unterlagen meiner Teilnehmer zeigen neben grafischen Highlights und kreativen Varianten vor allem die klassischen Varianten aus dem Internet. Es gibt zwar one-Pager und Bewerbungsflyer, doch die meisten halten sich an die tabellarische Art. Was häufig untergeht, ist die Antwort auf die Frage, für welche Bewerbungssituation man denn eigentlich einen Lebenslauf braucht. Ein paar Vorschläge:

  • Netzwerkkontakte und Initiativbewerbungen (ohne Computer-Algorhitmus)
    Hier bieten sich grafische und kurze Lösungen an, wie One-Pager oder Bewerbungsflyer. Diese sollten schön aufbereitet sein und einen schnellen Überblick über die Highlights des Berufslebens geben, da sie normalerweise von einem Menschen gelesen werden. Gute Vorlagen finden sich z. B. bei freepik.com. Kostenlose Icons findet man zudem bei flaticon.com.
  • Bewerbungen per E-Mail
    Es gibt sie tatsächlich noch: die Bewerbungen per Mail oder auch die, bei denen zwar online Lebensläufe eingesammelt werden, aber der Roboter noch nicht drüberschaut. Hier kann man etwas mehr Informationen anbieten, wobei man sich auf zwei (bis allerhöchstens drei) Seiten beschränken sollte. Wieso nicht einmal die eigenen Fähigkeiten als Skill-Level à la Computerspiel darstellen?
  • Bewerbungen mit Algorithmus
    Wenn der Roboter die Bewerbung zuerst liest… Was früher noch als Zukunftsszenario gesehen wurde, ist heute bei grösseren Firmen Alltag. Wie sollte man sonst durch hunderte oder tausende Bewerbungen überhaupt durchkommen? Für Bewerber heisst das: Erleichtern Sie das maschinelle Einlesen und verzichten Sie auf Grafiken, Tabellen, ungewohnte Schriftarten oder Darstellungen und machen Sie den Lebenslauf so einfach wie möglich. Prüfen Sie zudem Ihr Matching für die Stelle vorab, z. B. bei jobscan.co.

 

Die passenden Argumente

Die meisten gehen davon aus, dass der Lebenslauf das wichtigste Dokument der Bewerbung ist. Trotzdem verwenden viele die meiste Zeit auf die Anpassung des Motivationsschreibens. Warum nicht lieber mit dem Lebenslauf anfangen?

  • Bündeln Sie unwichtige Stationen für die Stelle, auf die Sie sich bewerben, z. B. im Sinne von „Diverse Anstellungen im Gastronomiebereich“ und nutzen Sie den Platz lieber für die Tätigkeiten bei den relevanten Stationen
  • Verwenden Sie Begriffe aus der Stellenbeschreibung, vor allem, wenn Sie davon ausgehen, dass der Roboter Ihren Lebenslauf zuerst liest. Dies gilt auch für Jobtitel. Bei diesen kann man in Klammern dahinter den Titel aus der Stellenbeschreibung nennen, wie z. B. Berater Kommunikation [entspr. Senior Consultant Communication].
  • Damit all das einfacher wird: Legen Sie einen Master-Lebenslauf an, der neben all den Tätigkeiten Ihrer Zeugnisse auch genauere Beschreibungen Ihrer Projekte enthält, z. B. im Sinne der STAR-Struktur. Diesen verschicken Sie jedoch nicht, sondern nutzen ihn als Vorratsraum, aus dem Sie sich für die Individualisierung Ihres Lebenslaufes auf die entsprechende Stelle bedienen.

Weitere Ideen

Neben den heutigen Trends sollte sich die Art des Lebenslaufs auch nach dem Job oder der Firma richten. So stehen kreativeren Bereichen ggf. auch andere Möglichkeiten offen, wie die Darstellung über Pinterest, Facebook, ein Trello-Board uvm. obwohl… wieso eigentlich nur in kreativeren Bereichen? Vielleicht passt es ja auch für Sie. Beispiele finden Sie bei Google, bei Trello oder bei Pinterest.

Vergessen Sie am Schluss nicht, Ihren Lebenslauf von einer anderen Person Korrektur lesen zu lassen. Einem selbst fallen manche Buchstabendreher oder Rechtschreibfehler häufig gar nicht mehr auf, zu oft hat man den eigenen Lebenslauf schon gelesen. Es lohnt sich bestimmt, denn Rechtschreibfehler sind laut einer Befragung von knapp 300 deutschen Unternehmen DAS Knock-out-Kriterium Nummer eins[1]. Wenn all das nichts am Gefühl der Mühsal ändert, können Sie Ihre Anpassungen ja vielleicht sogar als Dienstleistung für die HR-Abteilung sehen. Die Person, die Sie rekrutiert, wird sich jedenfalls freuen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg.

Autor: Jonas Najdzion

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[1] Recruiting Trends