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10 Jahre Jobjäger-Programm Schaffhausen

Gemeinsam auf dem Weg zum Traumjob – und das bereits seit 10 Jahren. Im Jobjäger-Programm wurden schon viele schöne Erfolgsgeschichten geschrieben. Viele weitere werden folgen.

10 Jahre sind wir nun im Kanton Schaffhausen also schon auf Jobjagd unterwegs. So haben wir uns im Auftrag des RAV Schaffhausen seit 2011 tagein-tagaus mit mittlerweile über 1000 Jobjägern und deren Stärken, Herausforderungen, Zielen, Wünschen und Träumen beschäftigt, ebenso wie mit Bewerbungsstrategien, Netzwerken und Bewerbungsformen/-unterlagen für den Weg zum Ziel. Keine Minute war dabei langweilig. Die Themen mögen auf ihre Weise ähnlich sein. Die Menschen aber sind immer verschieden.

Am Programm selbst gab es eine Vielzahl an Veränderungen. Das Jobjäger-Programm ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Arbeitsamt Schaffhausen, der Schule für berufliche Aus- und Weiterbildung SBAW, benevol Schaffhausen und Skillsgarden. In diesem Team haben wir im letzten Jahrzehnt viel gelernt, Dinge verändert und immer wieder Neues hinzugefügt.

Nicht nur wurden viele Stellensuchende zu Jobjägern und konnten ihr Mindset ändern und ihr Selbstvertrauen erhöhen – es wurden Freundschaften geschlossen und Gruppen gebildet, die sich teilweise bis heute noch regelmässig treffen oder austauschen. Und auch wir haben gelernt, Inhalte kamen dazu und andere wurden angepasst. Wenn wir uns vor 10 Jahren mit ausgedruckten CVs und farbigen Mappen beschäftigt haben, so geht es heute um Matching-Tools und Social Media-Auftritte.

Eines ist geblieben. Jede Jobjagd braucht ihre gezielte Strategie. Sie muss zur Person passen, umfasst einen individuellen Suchbereich und muss die Gegenüber, seien es HR-Verantwortliche, Recruiter oder Linienchefs, überzeugen. Kreativität ist gefordert. So kommt es heute vor, dass Stellensuchende ihre Bewerbung als Flaschenpost abgeben oder ihren CV als Würfel designen.

War es am Anfang eine Gruppe mit hochqualifizierten Stellensuchenden 50+, so sind heute Menschen von jung bis alt vertreten in 3 Gruppen aufgeteilt. Im Laufe der Jahre wurde ein Future-Day entwickelt, um dann später eine Job- und Netzwerkmesse – den Jobmarkt – ins Leben zu rufen, der in diesem Jahr das erste Mal virtuell über die «Bühne» ging. Ausserdem können die Stellensuchenden heute u.a. auch im Filmstudio ihr eigenes Kurzvideo (Elevator pitch) vor der Kamera aufnehmen lassen, einen Working Out Loud Circle besuchen oder lernen, wie sie ihre eigene Webseite gestalten können.

In wenigen Schritten zum Elevator Pitch

Sicherlich kann ich sagen, dass ich in den letzten Jahren auch zur Jägerin geworden bin. Es macht grosse Freude, Menschen zu vernetzen, Ideen zu entwickeln und eine inspirierende Umgebung zu schaffen, wo andere Erfolgreich sein können. Aber klar, es kann auch anstrengend sein und frustrieren, wenn Dinge dann nicht funktionieren. Oft hat man aber nichts zu verlieren und braucht bloss ein bisschen Mut und eben auch ein klares Bild davon, wer man ist und was man will.

Mehr Informationen zum Jobjäger-Programm gibt es hier: www.jobjaeger.ch

Autorin: Mirjam Ambühl

Berufliche Neuorientierung zuversichtlicher gestalten

Ein Einblick in das Jobjäger-Programm

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug 2017 in der Schweiz 3,2 % – auf den ersten Blick eine relativ kleine Zahl. Dahinter verbergen sich jedoch 143‘142 Personen[1] und ebenso viele Einzelschicksale. Mit über 200 von ihnen haben wir vergangenes Jahr im Rahmen des Jobjäger-Programms in Schaffhausen zusammengearbeitet.

Von der Arbeitslosigkeit zur Jobjagd

Das Jobjäger-Programm ist eine Massnahme des Arbeitsamtes Schaffhausen in Zusammenarbeit mit der SBAW Schule für berufliche Aus- und Weiterbildung und benevol Schaffhausen[2]. Es verbindet psychologische Erkenntnisse mit gängigen Bewerbungsinhalten. Ob die Stellensuchenden Chancen in der teils unfreiwilligen Situation erkennen oder nicht, hängt neben (wahrgenommenen) Könnens-Faktoren auch von Wollens-Faktoren ab. Ziel ist es, alle Faktoren zu bündeln und zu stärken. Wir von Skillsgarden unterstützen die Stellensuchenden über drei Monate hinweg bei der Erreichung dieses Ziels in neun Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der Hauptschwerpunkte, welche in unseren Blogbeiträgen vertieft werden.

Gemeinsam auf dem Weg zur neuen Stelle

Dem Programm liegt der Gedanke der JobClubs[3] zugrunde. Dabei geht es darum, dass der Einzelne von den Erfahrungen der Gruppe profitieren kann. Unterschiedliche Methoden helfen den TN, sich zu vernetzen und ihre individuellen Erfahrungen für alle nutzbar zu machen.

Stärkenorientierung statt defizitäre Ausrichtung

Bei der Durchführung der Workshops wird gemäss positiver Psychologie[4] auf die Stärken der TN fokussiert. Methoden der Standortbestimmung und des Storytellings helfen, eigene Stärken (wieder) bewusst und im Bewerbungsverfahren nutzbar zu machen.

Design your life

Wir wollen neue Methoden sinnvoll anwenden. Design Thinking[5] hat deshalb neben unserem Engagement beim Mobiliar Forum Thun[6] inzwischen auch beim Jobjäger-Programm Einzug gehalten. In diesem Jahr fliessen zudem unsere Erkenntnisse aus unserem erfolgreichen Workshop-Prototypen „Design Thinking für mich selbst“[7] in das Programm ein. Die TN entwickeln hierbei mehrere individuelle Zukunftsszenarien, was sie im Leben und im Beruf wirklich erreichen wollen und wie sich das umsetzen lässt.

Umsetzung erhöhen

Gewohnheiten beeinflussen nicht nur unsere guten Vorsätze für das neue Jahr[8], sondern auch die Jobsuche. Häufig werden gewohnte Suchstrategien verwendet und es fällt schwer, etwas daran zu ändern. Neue Strategien nicht nur zu kennen, sondern auch auszuprobieren ist ein wesentlicher Fokus des Programms. Dies ermöglicht flexible Strategien bei der Jobsuche und mit steigender Umsetzung steigt auch die Selbstwirksamkeit[9].

Input und Tipps zu Bewerbungsunterlagen

Bewusstheit über die Anforderungen an Bewerbungsunterlagen und die individuelle Gestaltung und Optimierung sind ein Klassiker, der auch in diesem Programm seinen Platz hat. Eigene Bewerbungsunterlagen werden in Einzel- und Gruppensettings besprochen und optimiert.

Experimentierfreudige Grundhaltung

Trotz der Vielfalt an eingeflossenen Erfahrungen und der Stärkung der Könnens-Faktoren sind es am Ende die TeilnehmerInnen selbst, welche die Bereitschaft aufbringen müssen, etwas Neues auszuprobieren, und das trotz oder gerade wegen ihrer schwierigen Situation. Die Erkenntnisse der Marienthal-Studie, einem über 80 Jahre alten Klassiker der Arbeitslosen-Forschung[10], haben diesbezüglich nichts von ihrer Aktualität eingebüsst. In dieser Studie erkannten Jahoda et al. bereits 1933 die Wichtigkeit der Akzeptanz und Anpassung an die geänderte Lebenssituation und verdeutlichen dies anhand eines Einzelbeispiels:

„Andererseits gibt es in dieser Gruppe [der Gruppe der Ungebrochenen – Anm. d. Verf.] z. B. einen Mann, der früher ein sehr bewegtes abenteuerreiches Leben geführt hat, bald da und bald dort sich aufgehalten hat und dem es dabei nie wirklich schlecht gegangen ist, auch wenn es materiell nicht immer gut um ihn stand; er nimmt sein heutiges Schicksal in all seine Abenteuer auf, mit denen er immer »irgendwie« fertig wird.[11]

Autor: Jonas Najdzion

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[1] https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Arbeit/Arbeitslosenversicherung/arbeitslosenzahlen.html

[2] https://jobjaeger.ch

[3] Lindinger et al. (2016). JobClubs – Gemeinsam auf dem Weg zum Traumjob. Springer Gabler, Wiesbaden

[4] Positive Psychologie beschreibt die Ausrichtung psychologischer Forschung und Praxis auf menschliche Stärken, siehe https://portal.hogrefe.com/dorsch/positive-psychologie-1/

[5] https://www.hrtoday.ch/de/article/was-ist-eigentlich-design-thinking

[6] http://www.skillsgarden.ch/kunden (Design Thinking Workshops)

[7] http://www.skillsgarden.ch/design-your-life/

[8] http://www.skillsgarden.ch/die-macht-der-gewohnheit/

[9] http://www.skillsgarden.ch/die-macht-der-selbstwirksamkeitserwartungen/

[10] Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit. Hirzel, Leipzig 1933.

[11] Ebd., S. 110