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Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 9

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Psychologische Sicherheit

Die Harvard-Forscherin Amy Edmondson1 konnte sich mit ihrem Konzept der Psychologischen Sicherheit in Teams einen Namen machen. Schon lange hatten andere Wissenschaftler beobachten können, dass die Umsetzung von schwierigen Veränderungen und/ oder die Leichtigkeit und Qualität in der Erarbeitung von kreativen Lösungen stark von einer bestimmten Atmosphäre in der Zusammenarbeit abhängig waren. Was nun genau beschreibt diesen Zustand? Die Definition, die Amy Edmondson entwickelt hat, lautet: Psychologische Sicherheit ist die von allen Teammitgliedern geteilte Überzeugung, dass man sich im Team beim Eingehen von interpersonalen Risiken sicher fühlen kann.

Abbildung: Apathie-, Angst-, Komfort- und Lernzone (Edmondson 1999)2

Eindrücklich zeigt sie in ihrem Modell, dass nur eine Kombination von Verantwortungsübernahme und psychologischer Sicherheit zu einer konstruktiven Lernatmosphäre in einem Team führen kann. Selbstverständlich lassen sich die Verhaltensweisen in den drei anderen Quadranten ebenso als Lernergebnisse beschreiben. Angst führt zu unmittelbaren Lernerfolgen. Jede Art von repressiven Systemen, jede Art von autoritärer Führung arbeitet mit diesen Mitteln und erzeugt auf den ersten Blick sofortige Resultate.
Ergebnisse der neurowissenschaftlichen Forschung3 zeigen, dass unter Angst und Druck vor allem eine Struktur namens Amygdala aktiviert wird mit den folgenden unweigerlichen Symptomen: verengten Sichtweisen und unmittelbaren Handlungsimpulsen wie Verteidigung, Angriff oder Totstellreflex. Die mittel- und langfristigen Folgen solcher Verantwortungsenteignung sind oft destruktiv für das Individuum und die Organisation. Die autoritäre Führungsperson feiert jedoch zuerst ihre kurzfristigen Erfolge. Die hinterlassene verbrannte Erde müssen dann meist Nachfolger aufräumen. Sie haben die Aufgabe, Menschen sprichwörtlich wieder zum Leben und damit zum Lernen zu erwecken.
Lernen mit Freude mag eine längere Zeit benötigen, bis man echte Erfolge sieht. Das kleine Problem: Freude lässt sich einfach geniessen, ohne dass unbedingt etwas getan werden müsste. Lernen mit Freude4 aktiviert im Unterschied zu Angst eine Vielzahl an Gehirnstrukturen und lässt uns damit Zusammenhänge erkennen, lässt uns spielerisch Energie mobilisieren und erlaubt einen kreativen Umgang mit dem Gelernten.
Psychologische Sicherheit und Freude sind nicht unbedingt Synonyme. Ein Merkmal dieses Zustands der psychologischen Sicherheit ist gerade, dass gestritten werden kann und dass sehr unterschiedliche Menschen zusammen lernen können, ohne unbedingt befreundet sein zu müssen. Sie benötigen eine wesentliche Voraussetzung: Sie müssen einander fachlich respektieren. Auf diesem Fundament kann eine konstruktive Streitkultur entstehen, die Freude zulässt und Angst verhindert.
Betrachtet man einzelne Lernende, sieht man ein ähnliches Phänomen als Voraussetzung für freudvolles Lernen – die Selbstwirksamkeitserwartung.
Dazu mehr in einer der kommenden Lernstunden.

Autor:
Christoph Lindinger


Edmondson, A.C. & Lei, Z. (2014): Psychological Safety: The history, renaissance and future of an interpersonal construct in: Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 1, 23-43

2 Edmondson, A.C. (1999): Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams, Administrative Science Quarterly

3 Boyatzis, R. (2012): Neuroscience and the Link Between Inspirational Leadership and Resonant Relationships, in: Ivey Business Journal

4 Fredrickson, B. (2009): Positivity, Oneworld Publications, London

 

 

Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 8

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Mindset, Skills, Tools

Wenn heute in einer Organisation Weiterbildung forciert werden soll, werden Personalentwickler oder Fachspezialisten sofort nach E-Learning-Lösungen gefragt. Es wirkt wie das Allheilmittel, in dem beide Disziplinen kostengünstig zusammenarbeiten können. Die Vision ist tatsächlich bestechend: Den Lernenden wird ein überall verfügbares Lernangebot unterbreitet. Das Spektrum der bisher üblichen Wissensvermittlungen wird um die beiden Lernformen selbstbestimmtes individuelles und kollektives Lernen erweitert.
Leider aber wird einmal mehr das Werkzeug überbetont. Wer nie vorher einen Hammer in der Hand hielt, wird damit vermutlich vor allem zerstörerisch tätig werden. Der Nagel kommt nicht in die Wand. Ohne zu wissen, wie man mit E-Learning umgehen soll, werden Inhalte im besten Fall konsumiert und schnell vergessen. Eine besondere Bedeutung kommt wie überall sonst der Fähigkeit zu, Lernmaterial für sich zu verarbeiten. Heutige Weiterbildung geht daher allgemein von einem Zusammenspiel von drei Elementen aus. Ausgangspunkt ist der beschriebene (Growth) Mindset. Hinzu kommen Fähigkeiten (Skills), um das Gelernte aufnehmen und umsetzen zu können, und zuletzt natürlich auch die notwendigen Werkzeuge (Tools).

Bei der Sehnsucht nach Werkzeugen verwechselt man das Rezept für Medikamente mit dem späteren Heilungsprozess. Er besteht aus weitaus mehr als nur der Einnahme von Pillen. Wer z. B. nicht genügend trinkt, wird bei einer Grippe trotz aller Medikamente länger als nötig an Symptomen laborieren. Remote lernen zu können, setzt ebenso wie Lernen in einem Seminarraum grundlegende Lernkompetenzen voraus. Nicht jeder lernt gut alleine vor einem Bildschirm. E-Learning findet im Idealfall sogar in einem Team- oder Netzwerkkontext statt. Auf diese Weise können positive Teameffekte dazu beitragen, bei der Stange zu bleiben, sich gegenseitig zu ermutigen und sich auch dann zu unterstützen, wenn Hindernisse auftauchen.
Im HRtoday-Blog zeigt sich Judith Bachmann1 überzeugt: Ein Roboter, der Kursteilnehmende empathisch begleitet, ihre Schwierigkeiten und Ängste wahrnimmt, sie motiviert und ihnen kreative Lösungen aufzeigt, ist (…) noch unvorstellbar. Wo Empathie und Kreativität gefordert werden, sind Menschen momentan nicht wegzudenken.

Amy Edmondson geht mit ihrem Konzept der Psychologischen Sicherheit in Teams noch einen Schritt weiter. Lesen Sie dazu die kommenden Lernstunden.

Autor:
Christoph Lindinger

Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 7

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Selbstgesteuertes Lernen

Das Stichwort Eigenverantwortung wird zwar auch in der herkömmlichen, traditionell hierarchisch ausgelegten Aus- und Weiterbildung erwähnt. Sie findet jedoch in einem engen, vorgegebenen Rahmen statt und meint mehr ein hohes Mass an Disziplin als z. B. Entscheidungskompetenz. Klassische Didaktik gibt die Struktur vor, formuliert Lernziele, prüft Wissen und benotet den Erfolg.
Selbstgesteuertes Lernen beruht auf anderen Voraussetzungen und führt scheinbar wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen zu einer Scherenentwicklung. Wenigen «Ultralearnern»1 steht eine Mehrheit an «Patchwork-Lernenden» gegenüber. Während die einen die heutige Verfügbarkeit von Bildung nutzen, um ein gesamtes Studium innerhalb eines Jahres durchzuziehen, scheinen die anderen durch das Angebot zu zappen, ohne Durchhaltevermögen zu zeigen. Dies zeigt die extrem hohe Abbruchrate bei Massive Open Online Courses von MIT und Harvard auf dem gemeinsamen Portal edx, die im Durchschnitt bei 96 % im Zeitraum von 2012 bis 2018 lag2. Auch sinkt die Anzahl der Nutzer. Wird ein kostenpflichtiger Weg über ein verifiziertes Zertifikat eingeschlagen, bleiben aktuell noch 46 % der Lernenden bei der Stange. Allerdings waren dies 2016 noch 56 %.

Zeigt sich hier Ähnliches wie in anderen Bereichen, in denen die Interneteuphorie einen echten Dämpfer erlebt? Sind wir Lernenden am Ende noch nicht reif genug für das frei wählbare Angebot? Dies mag für eine ganze Reihe an Lernnovizen stimmen. Wer nie gelernt hat, wie man lernt, wird sich mit den MOOCs zunächst wie im Supermarkt seinen Korb mit allen möglichen Angeboten füllen, um schliesslich zu bemerken, dass die nötigen Mittel zum Bezahlen bzw. hier zum Lernen fehlen.

Auch eine andere Betrachtungsweise könnte weiterhelfen. Während das hierarchische Modell natürlich den erfolgreichen Abschluss einer Klasse, eines Kurses oder Studiums als Fokusziel formuliert, sucht sich der Patchwork-Lernende die interessanten Teile einer Lernreise heraus. Es wird auf diese Weise ohne Zertifikate oder Prüfungen ein ganz individueller Lernerfolg kreiert. Freude und Neugier stehen im Vordergrund.

Fazit

Hochdisziplinierte Lernende profitieren auf ungeahnte Weise von der Demokratisierung des Lernens, lernerprobten Patchwork-Lernenden gelingt es, sich ihre eigene Lernreise durch das massive Angebot zusammenzustellen. Lernunerfahrene fühlen sich schnell überwältigt und können damit ohne Begleitung weder den hierarchischen noch den selbstbestimmten individuellen Weg einschlagen. Dass eine der Lernformen, sei es hierarchisch oder selbstbestimmt, allerdings allen anderen überlegen wäre, halte ich für ein Gerücht. Wer an seiner Lernkompetenz arbeitet, kann heute sein Repertoire auf phänomenale Weise erweitern und die Früchte von gelebter Eigenverantwortung geniessen.

Mr. Learninger’s Lernstunden gehen weiter und werfen einen Blick auf das populäre E-Learning. Bleiben Sie dran!


Young, S.H. (2019): Ultralearning, Thorsons, London

MOOCs: Hohe Abbruchrate stellt Konzept infrage in: Wirtschaftspsychologie aktuell 2/2019, S. 6

Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 6

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Modes of Learning

Lernen als universelles Prinzip steht für etwas wahrhaft Zeitloses. Ob man sofort an Erziehung, an schulische Ausbildung oder an Weiterbildungskurse aller Art denkt, Lernen ist ein Überlebensprinzip, ohne das weder Mensch noch Tier Zukunftsaussichten hätte. Dass sich in den vergangenen Jahrzehnten eine heimliche Lernrevolution ereignet hat, mag den Fachleuten bewusst sein. Laien nehmen die neu entstandenen Angebote wahrscheinlich ohne grosses Hinterfragen einfach in Anspruch.
Lernen wurde demokratisiert. Gleichzeitig wird damit auch deutlich, dass dem Lernenden weitaus mehr Verantwortung für seine Lernerfolgsgeschichte zukommt als noch in der Vergangenheit.

Abbildung: Modes of learning1

Im Harvard-MOOC (Massive Open Online Course) Leaders of Learning unterscheidet Richard Elmore2 zwischen vier verschiedenen Lernformen, hinter denen jeweils sehr unterschiedliche Lerntheorien und Vorgehensweisen stehen.

Eher traditionell fallen die beiden hierarchischen Wege aus. Ob individuell oder in der Gruppe, in beiden Fällen vermittelt eine Lehrperson das erforderliche Wissen. Während Wettbewerb und Benotung in der individuell hierarchischen Lernform im Vordergrund stehen, geht es bei der kollektiven Version um die Ausbildung von Menschen zu Mitgliedern einer Gemeinschaft. Einen anderen Weg schlagen die beiden Lernformen selbstbestimmtes individuelles Lernen oder selbstbestimmtes kollektives Lernen ein. Hier ist entweder der einzelne Lernende Dreh- und Angelpunkt des Lernens oder ein Team bzw. ein Netzwerk. Wer genau wann Lehrperson ist und ob überhaupt eine Person oder ein Medium das Wissen vermittelt, liegt in der Entscheidungsmacht der Lernenden.

Dem Thema «selbstgesteuertes Lernen» widmen wir die nächsten Lernstunden.
Fortsetzung folgt.


1 Elmore, R. (2019): Modes of Learning Framework, Begleitmaterial zum MOOC Leaders of Learning

Elmore, R. et al (2019) Leaders of Learning: https://courses.edx.org/courses/course-v1:HarvardX+GSE2x+3T2019/c

Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 5

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Ausdauer

Die letzte Lernstunde endete mit der Erkenntnis von Angela Lee Duckworth1, wonach Grit (bedeutet hier Rückgrat im Sinne von Ausdauer) der wichtigste Faktor für erfolgreiches Lernen sei.
Viel Kritik hat Malcolm Gladwell2 mit seiner Behauptung auf sich gezogen, man könne auf nahezu jedem Gebiet Meisterschaft erringen, sofern man nur lange genug üben würde. Seine vom schwedischen Forscher Anders Ericsson3 übernommene 10‘000-Stunden-Formel nahm sich ein junger Amerikaner namens Dan McLaughlin4 so zu Herzen, dass er alles aufgab, um zum Profigolfer zu werden, obwohl er bisher in seinem Leben noch nie einen Golfschläger in der Hand gehalten hatte. Er schaffte es, etwas über 4‘000 Stunden an seinem Ziel zu arbeiten, und brachte es tatsächlich auf ein beachtliches Handicap. Alleine sein Körper machte die Strapaze nicht mehr mit und nach dringenden Ratschlägen seiner Ärzte nahm er Abschied von seinem Projekt. Heute führt er den Getränkehandel Portland Syrup in Portland, Oregon. Über seine Zeit als Golfschüler schreibt er in einer von der NZZ übersetzten Kolumne5, wie sehr ihn doch das Fieber während der Zeit des Übens gepackt hatte. Eine der bemerkenswerten Erkenntnisse über seine Fortschritte in dieser intensiven Lernphase war, dass er immer dann einen Sprung machte, wenn es gerade einmal ziemlich schlecht lief. Wer also aufgibt, weil etwas beim ersten oder zweiten Versuch nicht gelingen will, könnte damit den wirklichen Fehler seines Lebens machen. Umgekehrt gehört ein gehöriges Mass an Selbstkenntnis dazu, sich nicht in etwas zu verrennen, das am Ende nur Enttäuschung bereitet. Ob man wirklich 1000 Fehlversuche braucht, um wie Thomas Edison am Ende endgültig den Durchbruch zur Glühbirne geschafft zu haben, steht auf einem anderen Blatt. Der Growth Mindset erlaubt aber auch Erwachsenen, so lange bei der Stange zu bleiben, bis man die Entscheidung trifft, ob weitermachen sinnvoll ist oder nicht. Aufgeben ist dann ein bewusster Vorgang und nicht die rigide Haltungsfrage, die besagt: Ich kann das eben nicht und fertig.
Demnächst in Learninger’s Lernstunden: Welche verschiedenen Lernwege stehen heute eigentlich zur Verfügung?

Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 4

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Reframing

Erinnern Sie sich noch? Bei der letzten Lernstunde tauchte die Frage auf, wie man immer wieder auftauchenden Gedankenmustern erfolgreich begegnen und damit die Selbstblockade, die Lernen verhindert, überwinden kann.

Ansätze wie „The Work“ von Byron Katie1 oder die „Lerner-Fragen“ von Marylee Adams2 bieten hier einen gangbaren Weg. Reframing lautet grob der Obertitel solcher Werkzeuge, also Umdeutung. Dies setzt allerdings zwei mentale Prozesse voraus. Zum einen muss ich erkennen, dass ich mich in die Sackgasse des rigiden Denkens bewegt habe, und zum andern benötige ich das Wissen um und auch den Glauben an die Veränderbarkeit von Denkmustern.

Ideal beschreibt dies Carol Dweck3 mit dem Konzept des „Growth Mindset“. So konnte die Stanford-Forscherin zeigen, dass Kinder, die sich in Texten über die Funktionsweise unserer Gehirne informieren konnten, am Ende viel weniger von Fehlschlägen beeindruckt waren als Kinder ohne diese Kenntnisse. Wissen um die Veränderbarkeit unserer Synapsenverbindungen lässt uns ganz offensichtlich mehr darauf vertrauen, dass auch mehrfache Versuche sinnvoll sein und schlussendlich zum Erfolg führen können. Die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und damit zur Selbstreflexion besteht offensichtlich ansatzweise schon in jungen Jahren.

Die Psychologin und Bestsellerautorin Angela Lee Duckworth4 nennt aufgrund von empirischen Beobachtungen Grit (bedeutet hier Rückgrat im Sinne von Ausdauer) den wichtigsten Faktor für erfolgreiches Lernen. Sie stellt dabei fest, dass einer der wenigen heute bekannten Wege, diese auf Langfristziele ausgerichtete Haltung zu fördern, der Growth Mindset ist. Es bedeutet im Klartext, über eine Einstellung zu verfügen, etwas „noch“ nicht zu können, anstatt mit Glaubenssätzen wie „ich bin einfach nicht begabt genug“ sich selbst einzuengen. Das kleine Wort „noch“ macht dabei den riesigen Unterschied.

Ob Übung wirklich in allen Disziplinen Meister hervorbringt? Lesen Sie in den nächsten Learninger’s Lernstunden, was es mit Anders Ericssons 10‘000-Stunden-Formel auf sich hat.

Autor:
Christoph Lindinger


1 Byron Katie, thework.com

Adams, M. (2015): Question Thinking. Die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen, dtv, München

Dweck, C. (2006): Mindset: a new psychology of success, Random House Publishing Group, New York

4 Duckworth, A., Tedtalk: Grit. The power of passion and perseverance.

Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 3

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Growth Mindset

Die eigene Grundhaltung entscheidet darüber, ob und wie man erfolgreich Veränderungen bewältigen kann. So einleuchtend es klingen mag, so schwer fällt es vielen Menschen, dieser Einsicht Taten folgen zu lassen. Gerade bei schwierigeren Themen kommt es fast schon als Voraussetzung darauf an, sich grundsätzlich einen Lernerfolg zuzutrauen, bevor man etwas Neues in Angriff nimmt.

Dabei geht es mehr als nur um das Prinzip Hoffnung. Den ersten Schritt für Lernen unter schwierigen Rahmenbedingungen liefert der mittlerweile gebräuchliche englische Ausdruck Mindset. Wenn wir etwas dazulernen möchten oder etwas verändern wollen, können wir unsere Einstellung zu den Dingen ändern, selbst wenn uns die Umstände massiv behindern sollten. Dies soll nicht bedeuten, zu allem in seiner Umgebung Ja und Amen zu sagen. Keineswegs. Gerade weil Rahmenbedingungen manches Mal mit übermächtigen Herausforderungen oder emotionalen Stürmen verbunden sind (wie z. B. chronische Stresssituationen auf der Arbeit oder eine als unberechtigt erlebte Kündigung), braucht man einen klaren Kopf. Wer sich von Anfang an entmutigen lässt, hat schnell verloren. Die einschränkenden Aussagen, das geht nicht, das kann ich nicht oder gar das werde ich nie können, sollte man aus seinem Gedankengut verbannen. Sie sind ein Zeichen für eine Haltung, die Fachleute den rigiden Mindset nennen. Es handelt sich um eine bittere Selbstblockade, die Lernen verhindert, bevor man überhaupt erste echte Erfahrungen mit einem Thema gesammelt hat.

Wie aber lässt sich solchen immer wieder auftauchenden Gedankenmustern erfolgreich begegnen?

In Teil 4 der Learninger’s Lernstunden präsentiere ich Ihnen Ansätze von verschiedenen Fachleuten.

Autor:
Christoph Lindinger

 

Mr. Learninger’s Lernstunden – Teil 2

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN – Hello Learners

Zu Beginn meiner Lernstunden habe ich darauf hingewiesen, dass wir nicht mehr um das lebenslange Lernen herumkommen. Leider jedoch vermissen wir bei vielen Lehrinstituten ein Fach, das sich mit der Freude am Lernen befasst. Es müsste überall eine Art Eintrittskarte und begleitendes Angebot sein, sofern die Lernenden einmal ins Stocken geraten. Barbara Oakley hat mit ihrem Internetkurs «learning how to learn» auf coursera1 nicht nur gezeigt, dass man über das Lernen interessant und wirksam Unterricht machen kann, sondern mittlerweile auch über 2 Millionen Studenten aller Altersstufen erreichen können. Es müssten 2 Milliarden Lernende sein, um den weltweit so dringend benötigten Sprung nach vorne zu schaffen. «Human Capital» nennt die Weltbank2 jenes Ergebnis, das mit qualitativ hochwertigem Lernen verbunden ist. Sie konnte anhand von statistischen Analysen zeigen, dass es die Qualität des Lernens ist, die den Unterschied macht und nicht die Dauer des Schulbesuchs.
Mit «hello learners» begrüsst eine fröhliche Instruktorin auf coursera in jedem Video ihre Studenten. Mit Learninger’s Lernstunden möchte ich auch Sie dazu anregen, in die Freuden Ihres Lernens zu investieren.

Auf dass Lernstunden zu Sternstunden werden!
Beim nächsten Mal reden wir über die eigene Grundhaltung, sprich Mindset.


1 https://www.coursera.org/learn/learning-how-to-learn/home (2019)
2 The Future of Work: Preparing for Disruption (2019) Worldbank Kurs auf edx.org

 

Mr. Learninger’s Lernstunden – der Start

Kolumnen zur Kernkompetenz LERNEN

Wer die Schule nicht liebte und froh ist, nicht mehr die Schulbank drücken zu müssen, mag es ungern hören: Lernen ist heute die mit Abstand wichtigste Kernkompetenz. Statt von Mitarbeitenden sollte man in der Arbeitswelt heute unbedingt von Mitlernenden sprechen. Die Zeiten sind endgültig vorbei, als man nach der Berufsausbildung noch sagen konnte, man habe ausgelernt. Lebenslanges Lernen mag zuerst vor allem ein Schlagwort gewesen sein. Inzwischen ist es endgültig in der Realität angekommen. Die Veränderungsgeschwindigkeit der Moderne zwingt zum Dazulernen. Verweigerung hat nichts Heroisches mehr an sich. Sie führt schlicht dazu, in der heutigen Umwelt nicht mehr zurechtzukommen.

Wir stehen förmlich in der Pflicht, in allen Lebensbereichen eine neue Lernkultur zu initiieren. Wenn wir den gewaltigen Problemen der Gegenwart, dem Klimawandel, den weltweiten Fluchtbewegungen, der drohenden Ernährungsknappheit und vielem mehr wirksam begegnen wollen, werden wir eine Vielzahl unserer alltäglichen Routinen über Bord werfen und neue Abläufe, vor allem aber neues Denken erlernen müssen. Das Thema Digitalisierung wird unser Leben bis in die privatesten Bereiche massiv umkrempeln. Was vielleicht wie eine reine Drohkulisse aussieht, bietet natürlich eine Menge Chancen. Voraussetzung ist allerdings, das notwendige Handwerkszeug zu besitzen. Dazu benötigt man zum Glück keine mit teuren Werkzeugen ausgestattete Werkstatt, sondern schlicht die Fähigkeit, lernen zu können und vor allem lernen zu wollen.

Wenn Sie mehr über das Lernen lernen wollen, lesen Sie die nächste Learninger’s Lernstunde.
Coming up soon…