Kontakt

Skillsgarden AG
Technoparkstrasse 3
8406 Winterthur
info@skillsgarden.ch
Tel : +41 52 222 53 53

Networking – Schritt 5

Kontakt (aufrecht-)erhalten

Die meisten von uns kennen es: Mit vollem Terminkalender hangeln wir uns durch den Alltag – und es bleibt keine Zeit für das Netzwerken. Dies fällt uns häufig erst auf, wenn wir einen neuen Job suchen, eine Referenz benötigen oder sonst auf Hilfe angewiesen sind. Dann ist es aber meist bereits zu spät. Denn Netzwerken ist ein Geben und Nehmen, wobei es mit Ersterem beginnt. Kümmere ich mich nicht um meine Kontakte, gehen die Beziehungen schnell ein. Es stellt sich also die eine grosse Frage: Wie schaffe ich es, den Kontakt zu interessanten Bekanntschaften aufrechtzuerhalten?

Basis für Reziprozität schaffen

Die erste Frage nach der Knüpfung eines neuen Kontakts sollte stets lauten: „Was kann ich für andere tun? Was könnten sie von mir brauchen?“ Denn mit dem Netzwerken verhält es sich wie mit einer Spardose – es muss zuerst etwas „einbezahlt“ werden, bevor davon profitiert werden kann. Ihre Einzahlung schafft die Basis für Reziprozität1, das Prinzip der Gegenseitigkeit. Dieses weckt in uns allen automatisch den Wunsch, für einen erhaltenen Gefallen eine Gegenleistung zu erbringen. So helfen Sie also nicht nur Ihren Kontakten weiter, sondern Sie erhöhen auch die Chance, dass jemand Ihnen zu gegebener Zeit gerne weiterhilft.

Qualität vor Quantität

Netzwerkpflege kostet weniger Zeit, wenn Sie sich nur auf wenige wichtige Kontakte beschränken. Scheuen Sie sich nicht, unwichtige Geschäftskontakte auch mal nicht weiterzuverfolgen – lieber pflegen Sie 20 Kontakte, die Sie kennen, als 500, die nicht wissen, wer Sie sind.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Sie mit virtuellen Interaktionen auf dem Radar Ihrer Kontakte bleiben – eine überdauernde Beziehung entsteht jedoch erst durch persönliche Treffen. Folgend stellen wir Ihnen einige Strategien vor, welche Ihnen helfen, interessante Kontakte nicht aus den Augen zu verlieren und vor allem selbst nicht in Vergessenheit zu geraten:

1. Neue Kontakte vertiefen:

Einerseits stellt sich die Frage, wie neu kennengelernte Kontakte in das eigene Netzwerk aufgenommen und solche frischen Beziehungen vertieft werden können. Diese Frage stellt sich auch Julia, unsere Führungskraft.

2. Bereits bestehende Kontakte aufrechterhalten:

Andererseits gibt es Möglichkeiten, welche das „Einrosten“ einer bereits länger bestehenden Netzwerkbeziehung verhindern können, womit sich unser Stellensuchender Urs beschäftigt.

Sie kennen Julia und Urs noch nicht? Erfahren Sie mehr über die beiden im zweiten Artikel unserer Blogserie zum Thema Netzwerken.

Wie Julia neue Kontakte vertieft
Julia hat an einem Feierabendanlass zum Thema Design Thinking Thomas, seinerseits ebenfalls eine Führungskraft, kennengelernt und möchte den Kontakt gerne vertiefen, um sich weiterhin über das Thema und dessen Umsetzung in der Praxis auszutauschen.

Julia ist sich bewusst, dass man einen neuen Kontakt innerhalb von 72 Stunden nach dem ersten Kennenlernen nochmals kontaktieren sollte (3-Tages-Regel). Sei es beispielsweise mit einer persönlichen E-Mail, einer LinkedIn-Anfrage oder einem kurzen Telefonat. Julia entscheidet sich dazu, dem Kontakt eine LinkedIn-Anfrage mit einer personalisierten Nachricht zu senden: „Lieber Thomas, es hat mich sehr gefreut, dich am Dienstag kennengelernt zu haben und mich mit dir über die neu implementierten Meeting-Formen in deiner Abteilung auszutauschen. In meinem Teammeeting heute habe ich die von dir erwähnte Technik direkt ausprobiert und die Ergebnisse waren sehr positiv – danke für diesen tollen Input! Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen – vielleicht beim nächsten Vortrag der Reihe am 27. Juni? Viele Grüsse, Julia“.

Julia teilt Thomas mit, wie sehr sie sich über das Kennenlernen gefreut hat, bedankt sich für das Gespräch und macht einen konkreten Vorschlag für ein nächstes Treffen und – Hand aufs Herz – wer von uns hätte nach dieser Nachricht nicht Lust auf ein weiteres Treffen?

Wie Urs bestehende Kontakt aufrechterhält
Urs nutzt sein Xing-Profil rege, um so durch neue und auch bereits lange bestehende Kontakte an interessante Informationen zum (verdeckten) Arbeitsmarkt zu kommen (mehr zur Wichtigkeit des verdeckten Arbeitsmarkts finden Sie in unserem ersten Artikel zum Thema Netzwerken: https://www.skillsgarden.ch/networking/). Er reagiert dazu auf die News seiner Kontakte und gratuliert ihnen beispielsweise zu deren Beförderung, Geburtstag, Firmenjubiläum, Antritt einer neuen Stelle oder einem gelungenen Medienauftritt. Urs erhöht durch seine „uneigennützigen“ Beiträge2 nicht nur seine Präsenz auf Xing, sondern auch jene in den Köpfen seiner Kontakte und bleibt so auf deren Radar.
Über die virtuelle Ebene hinaus hat Urs ein Gruppentreffen mit mehreren seiner ehemaligen Kollegen organisiert. Persönliche Treffen ermöglichen den Aufbau von Vertrauen und somit stabilen Beziehungen. Seither trifft sich die Gruppe regelmässig, wobei immer mal wieder neue Gesichter beim Treffen auftauchen. Neben dem spannenden Austausch mit bestehenden und neuen Kontakten profitiert er so womöglich auch von darauffolgenden Empfehlungen an potentielle Arbeitgeber.

Unsere wichtigsten Tipps für Ihre Netzwerkpflege:

1. Neue Kontakte vertiefen:

  • Teilen Sie dem neuen Kontakt innerhalb der ersten 72 Stunden mit, dass Sie sich über das Kennenlernen gefreut haben und sich auf ein baldiges Wiedersehen freuen.
  • Nutzen Sie dieses Follow-up bestenfalls bereits für die Planung eines nächsten Treffens oder weisen Sie auf ein Thema aus Ihrem Erstgespräch hin (Tipp: Machen Sie sich direkt nach dem ersten Kennenlernen einige Notizen zur Person/zum Gespräch; dies wird Ihnen den Zweitkontakt zweifellos erleichtern und Sie werden mit Ihrer Aufmerksamkeit punkten).
  • Es gilt: Je persönlicher die zweite Kontaktaufnahme, desto stärker werden Sie bei der Person in Erinnerung bleiben.

 

2. Längerfristige Kontakte aufrechterhalten:

  • Online Business-Netzwerke: Reagieren Sie auf Beiträge Ihrer Kontakte und nutzen Sie Ereignisse (Beförderungen, Stellenwechsel, Geburtstage etc.) als Kontaktmöglichkeiten.
  • Bei eher inaktiven Kontakten ist Ihre Initiative gefragt; Leiten Sie spannende Artikel an mögliche Interessenten in Ihrem Netzwerk weiter oder erkundigen Sie sich proaktiv bei einem Kontakt, wie es ihm in der Zwischenzeit so ergangen ist.
  • Planen Sie für das Netzwerken in Ihrem Terminkalender fix Zeit ein und treffen Sie sich mit einem oder mehreren Kontakten persönlich. Als Initiator von Gruppentreffen haben Sie zudem die Chance, andere miteinander zu verbinden und selbst neue, interessante Kontakte zu knüpfen.

Mit diesem Schritt schliessen wir unsere Blogreihe zum Thema Netzwerken. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Kennenlernen, Ansprechen und Aufrechterhalten Ihrer Kontakte.

Autorin: Lea Vogler

1 Gouldner, A. W. (1960). The norm of reciprocity: A preliminary statement. American Sociological Review, 25, 161–178. ODER/UND https://m.portal.hogrefe.com/dorsch/reziprozitaet/

Dorie, C. (2015). Stand Out Networking: A Simple and Authentic Way to Meet People on Your Own Terms (A Penguin Special from Portfolio). Portfolio.

Networking Schritt 4: Andere ansprechen

Nun sind wir in unserer Reihe über das Networking bereits beim direkten Ansprechen von Personen angekommen. Ob online oder offline – dass das geschickte Ansprechen von Personen, die einen interessieren, gar nicht so einfach ist, haben Sie sicher schon selbst erlebt. Wie geht es Ihnen, wenn Sie z. B. auf einer Messe Kontakt herstellen wollen? Gehen Sie sofort auf die Person zu oder zögern Sie, wie Sie am besten vorgehen könnten, um die Person anzusprechen? Und wie ist es bei online Plattformen wie Xing oder LinkedIn?

In unserem vierten Teil der Blogserie zum Thema Netzwerken möchten wir Ihnen wertvolle Tipps geben, wie erfolgreiches Ansprechen von (noch nicht bekannten) Personen gelingen kann und wie man bei ihnen in positiver Erinnerung bleibt. Bestimmt erinnern Sie sich noch an unsere zwei «Netzwerker» Julia und Urs. Für Julia ist es wichtig, wie man offline ein gutes Gespräch führen kann, Urs setzt hingegen auf das Ansprechen von Online-Kontakten.

Das Ansprechen von Online-Kontakten

Urs nutzt die ACES-Methode1, einen einfachen Leitfaden, um neue Kontakte anzuschreiben.

Acknowledge the person / Anerkennung der Person

Sprechen Sie die Person mit ihrem Namen an und stellen Sie sich vor. Erzählen Sie, wie Sie sie gefunden haben. Haben Sie einen Blogbeitrag von der Person gelesen? Sie in einer Online-Gruppe gefunden? Gab Ihnen ein Kollege den Tipp? Je persönlicher Sie Ihre Begrüssung formulieren, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass auf Ihre Anfrage reagiert wird.

Clarify your interest / Interesse klarstellen

Formulieren Sie Ihre Absichten klar, wenn Sie mit jemandem schreiben oder die Person ansprechen. Da die Person vermutlich keinen langen Text lesen mag, verbessern kurze und konkrete Fragen Ihre Chancen. Die Frage, die Sie zuerst stellen, kann ruhig ein wenig breitgefächerter sein; wenn alles glatt läuft, können Sie zu einem späteren Zeitpunkt mehr erläutern bzw. Fragen stellen.

Establish a bond / Beziehung herstellen

Schlagen Sie eine Brücke zwischen dem, was Sie anbieten und was Ihr Gegenüber benötigt (Geben und Nehmen). Was hat die Person davon, sich mit Ihnen zu vernetzen? Beachten Sie, dass ein klarer Nutzen bei fremden Kontakten besonders wichtig ist.

Share actionable steps / Nächste Schritte mitteilen

Schlagen Sie spätestens mit Ihrer dritten Nachricht einen Termin für ein Telefonat oder ein persönliches Treffen vor. Andernfalls laufen Sie Gefahr, nur ein weiterer passiver Kontakt zu werden.

Urs formulierte seine Kontaktanfrage an den HR-Leiter eines KMU wie folgt:
„Sehr geehrter Herr X
Durch die Xing-Suche bin ich auf Sie aufmerksam geworden. Ich interessiere mich dafür, wie ich mit meinen langjährigen Erfahrungen den Einstieg in ein KMU finde, und würde mich gerne mit Ihnen austauschen, welche Trends und Anforderungen aktuell in Ihrer Firma wichtig sind, gerade auch für Ü50-Jährige.
Ich habe auf Ihrem Profil zudem gesehen, dass Sie in Ihrem Unternehmen mit SAP arbeiten und an einem Austausch diesbezüglich interessiert sind. Gerne teile ich mit Ihnen meine Erfahrungen aus über 15 Jahren SAP-Nutzung.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche und freue mich auf Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüssen
Urs A. “

Verhalten beim Ansprechen: Allgemeine Tipps

Julia besucht eine Messe zum Thema New Work. Sie möchte inspirierende Gespräche führen, Erfahrungen austauschen und Mitstreiter finden. Hilfreiche Tipps, wie man in ein gutes Gespräch kommt, liefert uns Vanessa Van Edwards, Autorin von «Die Psychologie der Anziehungskraft»2. Sie liefert Tipps, die jeder erlernen kann, um auf andere sympathisch zu wirken und sich beim Netzwerken wohl zu fühlen. Die Methode nennt sich Faden-Methode3, denn es geht darum, Fäden der Gemeinsamkeit zu finden. Jeder Faden, der Sie verbindet, macht Sie dem anderen sympathischer. Normaler Smalltalk besteht z. B. aus Fragen wie: «Hallo, wie geht’s? Was tust du? Woher kommst du?» etc. Diese reichen häufig nicht aus, um in ein positives Gespräch zu kommen. Der Angesprochene schaltet viel eher auf «Autopilot» und spult seine routinierten Antworten ab.

Indem Sie Fäden der Gemeinsamkeiten suchen, ergibt sich automatisch eine geeignete Gesprächseröffnung. Diese können Sie auf verschiedene Bereiche beziehen: gemeinsame Kontakte, der Kontext, in dem Sie sich befinden (Konferenz, Social Media), oder gemeinsame Interessen. Gemeinsame Interessen sind die ergiebigste Methode, denn so haben sicher beide Seiten viel zu sagen, was eine gute Grundlage für interessante Unterhaltungen bietet. Fragen Sie zum Beispiel: «Kennen Sie auch Person X?» «Waren Sie schon mal hier?» Oder: «Was interessiert Sie speziell an dieser Veranstaltung?»

Wenn Sie dann eine Übereinstimmung gefunden haben, dann folgen Sie diesem Faden. Eine einfache Methode, um schnell ein tiefergehendes Gespräch zu erzielen, ist, nach dem Warum zu fragen. Ein Beispiel: Ihr Gesprächspartner ist ebenfalls Unternehmer. Sie fragen: «Warum sind Sie Unternehmer geworden?» und auf die Antwort können Sie weiter nachbohren. Das Schöne ist, dass ein Warum schnell wegführt vom gewöhnlichen Smalltalk und hinein in Beweggründe, Träume und Interessen eines Menschen. Ganz generell bieten sich offene Fragen an, um mehr über das Gegenüber zu erfahren.

So kommen Sie zum Ziel

Wenn das Gespräch interessant ist und Sie sich gut verstehen, können Sie einen Schritt weitergehen und basierend auf den Interessen und Bedürfnissen Ihres Gesprächspartners Ihren Mehrwert präsentieren und gegebenenfalls Hilfe, Unterstützung oder Rat anbieten. Vielleicht schlagen Sie aber auch vor, sich mal zu einem weiteren Gespräch zu treffen, um sich weiter auszutauschen.

Julia hat eine Person entdeckt, mit der sie sich austauschen will. Sie begrüsst sie wie folgt:
„Grüezi Frau Y, mein Name ist Julia X. Als Führungskraft habe ich häufig die Erfahrung gemacht, dass… [siehe Elevator Pitch]. Doch wie können wir besser werden, wenn wir nichts ausprobieren? Diese Frage hat mich hierhergeführt. Was interessiert Sie denn an dem Thema New Work? “

Sei es nun online oder offline, schauen Sie doch mal, hinter welchem Gesicht oder Namen sich ein neuer Kontakt für Sie verbergen könnte.

Jetzt wünschen wir Ihnen viel Erfolg beim Ansprechen neuer, interessanter Kontakte!
P.S.: Noch ein letzter Satz zur Vorbereitung: Online sehen Sie häufig, wer an dem Event teilnimmt, und können sich so auf mögliche interessante Gesprächspartner gut vorbereiten.

Autorin:
Lea Helfenstein


Quellen:
1 Pautz, J. (2019). Resume, Networking and Interview Skills. edx Online Kurs: https://courses.edx.org/courses/course-v1:FullbridgeX+Career5x+3T2016/course/
2 Van Edwards, V. (2018). Die Psychologie der Anziehungskraft. München: MVG Verlag.
3 Van Edwards, V. (2018). Das ist das ultimative Rezept für guten Smalltalk. Aus: https://www.welt.de/icon/service/article177024234/Sympathisch-wirken-So-funktioniert-die-Faden-Methode.html

Networking Schritt 3: Andere finden

Bestehendes Netzwerk nutzen und neue, relevante Kontakte finden
In unseren bisherigen Artikeln zum Thema Networking haben wir uns damit beschäftigt, motivierende Ziele zu setzen und unsere Aussenwirkung zu optimieren. Nun geht es einen Schritt weiter, nämlich andere Personen zu finden, die uns Türen öffnen können und wiederum interessante Kontakte kennen. Sie erinnern sich, dass wir Ihnen zwei Personen mit verschiedenen Zielen beim Netzwerken vorgestellt haben: Julia, die IT-Führungskraft, möchte ihr berufliches Netzwerk erweitern, um sich auszutauschen und neue Ideen zu neuen Arbeitsformen zu bekommen. Urs, der stellensuchende Sachbearbeiter, möchte sich bei grösseren KMUs durch seine Erfahrungen und Fachkenntnisse interessant machen. Im Folgenden geben wir Ihnen ein paar grundlegende Tipps zum Vorgehen sowie verschiedene Kanäle, um an interessante Kontakte zu kommen.

Bestehendes Netzwerk erfassen und aktivieren

In jedem Falle macht es Sinn, zuerst sein eigenes bestehendes Netzwerk systematisch zu erfassen.

a) Erfassen Sie Ihre (vergessenen) Kontakte
Wen kennen Sie, der Ihnen hilfreiche Tipps und Informationen geben kann? Wir empfehlen, eine Liste oder ein Mindmap zu erstellen und dabei Ihr Berufs- und Privatleben durchzugehen. Sie werden erstaunt sein, wie viele interessante Kontakte Ihnen einfallen. Möglicherweise sind diese bei potenziellen Arbeitgebern beschäftigt, sind mit anderen ehemaligen Kontakten bereits vernetzt oder verfügen über spannende Ideen, die sich für einen fachlichen Austausch anbieten. Ein paar Ideen zur Suche: Ehemalige Arbeitskollegen und Vorgesetzte, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner, Vereinsmitglieder, Schul- und Unikollegen. Abseits vom Beruflichen sind auch Verwandte, (ehemalige) Nachbarn, weggezogene Freunde und Bekannte, Bekanntschaften aus Urlauben vielleicht interessant für Sie. Mit Sicherheit werden Sie auf Kontakte stossen, die Sie vielleicht nicht mehr präsent hatten und die Sie wieder aktivieren könnten. Als nächsten Schritt können Sie sich daran machen, nach diesen Kontakten online zu suchen.

b) Suchen Sie online

Googeln Sie oder suchen Sie die Personen auf den sozialen Netzwerken Xing oder LinkedIn. Natürlich ist es naheliegend, die eigenen Kontakte direkt zu fragen, wen sie kennen, der einem für die Jobsuche oder fürs berufliche Netzwerken bestimmte Informationen geben oder Ihnen in anderer Art weiterhelfen kann.

Systematische Suche nach neuen Kontakten

Machen Sie sich nun auf die Suche nach neuen Kontakten. Hier gilt es nicht, ins Blaue hinaus zu suchen, sondern Ihre Kontakte zweiten Grades, also Personen, die Ihre bestehenden Kontakte kennen, zu nutzen. Wir selbst kennen in der Regel ungefähr 100 Menschen mehr oder weniger gut, doch unsere Kontakte kennen wiederum etwa 100, das sind schon 10’000. Über fünf Ecken sind wir bei 10 Milliarden, das sind mehr, als es Menschen auf der ganzen Welt gibt. Nicht umsonst heisst es «Über sieben Ecken kennt jeder jeden auf der Welt», was sogar wissenschaftlich belegt werden konnte[1]. Nutzen Sie also diese Fülle an indirekten Kontakten!

a) Definieren Sie Ihre Zielgruppe

Überlegen sie zuerst, welche Art von Personen Sie suchen. Was zeichnet diese aus? Welche Position besetzen sie? Eine ähnliche wie Sie oder eine höhere? Welche Interessen haben diese Personen? Nach was suchen sie? Eher nach fachlichem Austausch oder nach bestimmten Kandidaten?

b) Lassen Sie sich empfehlen

Um systematisch in den Kontakten Ihrer Kontakte zu suchen, bieten die sozialen Netzwerke eine hervorragende Möglichkeit. Hier liegt der grosse Vorteil einerseits darin, dass Sie über Ihren gemeinsamen Kontakt mehr über die jeweilige Person erfahren können und sich von ihm/ihr empfehlen lassen können, um einen Einstieg zu bekommen. Suchen Sie z. B. in den Unternehmensprofilen von für Sie interessanten Firmen und filtern Sie die Mitarbeitenden nach „Kontakten Ihrer Kontakte“.

c) Nutzen Sie die erweiterte Suche

Wir illustrieren dies mit der erweiterten Suchfunktion am Beispiel Xing2]. Diese bietet den Vorteil, dass im Gegensatz zur einfachen Suche über verschiedene Suchfelder näher spezifiziert werden kann, was die Profile von für Sie interessanten Personen beinhalten sollen.

[2] Die erweiterte Suche ist nur in der Premium Version nutzbar

Urs sucht damit nach HR Managern und Recruitern («Position»), die ihn einstellen würden und SAP-Kenntnisse suchen («Ich suche»). Er beschränkt seine Suche dabei auf die Regionen Schaffhausen, Zürich und Bern. Alternativ sucht er nach Personen, die als Sachbearbeiter HR («Position») arbeiten, um sie zu fragen, wie sie den Einstieg geschafft haben, und filtert nach Gemeinsamkeiten («Ich biete» / «Hochschule»). Diese Suche würde er dann auf die ganze Schweiz ausweiten («Land»).

Seien Sie bei der Variation Ihrer Suchkriterien flexibel und kreativ, um möglichst viele interessante Kontakte zu finden. 

Julia interessiert sich wohl für Personen in der IT- und Softwareentwicklung («Position»), die Design-Thinking-Erfahrungen haben («Ich biete»), und nach Austausch und Kooperation suchen («Ich suche»). So treffen beide auf Mitglieder, die sie über einen gemeinsamen Kontakt angehen könnten. Vielleicht ergibt sich für Julia ein Kontakt, der ihr zu Inspiration und Ideen verhilft oder mit dem sie gemeinsame Projekte oder Kooperationen realisieren kann. Urs findet möglicherweise über Insiderwissen zu seiner zukünftigen Traumposition oder kann zumindest seine Verfügbarkeit signalisieren.

Interessante Netzwerke nutzen

Als letztes möchten wir Ihnen einige Anregungen für interessante On- oder Offline-Netzwerke geben. Welcher Art von Netzwerk Sie beitreten, hängt natürlich stark von Ihrem Ziel ab. Neue Leute finden Sie in den unterschiedlichsten Kontexten: Beruflich Gleichgesinnte finden sie in Interessensgemeinschaften wie Wirtschafts-, Berufs- und Branchenverbänden sowie Gewerkschaften. Besuchen Sie in der Freizeit Sportclubs oder Musikvereine. Treten Sie Hilfsorganisationen bei, engagieren Sie sich in ehrenamtlichen Tätigkeiten. Oder besuchen Sie kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen, Messen, Kongresse. Auch Kurse, Seminare und Workshops bringen Sie mit spannenden Personen zusammen. Online sind natürlich die Social Media Xing und LinkedIn für das berufliche Netzwerken am naheliegendsten, denn sie sind aussschliesslich für berufliche Kontakte gedacht. Hier gibt es nebst einem grossen Kontaktpool unzählige Gruppen zu bestimmten Berufsbereichen, Branchen und Regionen. In den Gruppen können Sie sich zu bestimmten Themen austauschen, fachliche Beiträge und Blogs schreiben sowie kommentieren und stossen auf interessante Events. Hier finden sich sicherlich viele Personen mit einem ähnlichen beruflichen Hintergrund. Allgemein gilt: Indem Sie aktiv werden und Präsenz zeigen, finden Sie eher neue Kontakte.

Julia wählt übrigens zwei andere Wege, um an neue Kontakte innerhalb ihrer Firma zu kommen. Sie hängt zum einen einen Aushang mit ihrem Elevator Pitch und ihren Kontaktangaben ans schwarze Brett. Zum anderen wendet sie sich an die Personalabteilung und fragt nach den Erfahrungen mit agilen Arbeitsformen und möglichen bekannten Spezialisten.

Unser Tipp:

Nutzen Sie möglichst verschiedene Kanäle. Finden Sie Kontakte mit ähnlichen Interessen und gestalten Sie die Kontaktaufnahme einfacher. Tipps für diese und für positive Gespräche erfahren Sie in unserem nächsten Blogartikel zum Thema Networking.

[1] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ueber-6-6-ecken-das-jeder-kennt-jeden-gesetz-a-569705.html

Autorin:
Lea Helfenstein


Quellen:
XING für Jobsuche und Bewerbung – Tipps und Tricks. E-book: https://www.lvq.de/karriere-blog/wp-content/uploads/sites/6/2017/05/170509-Ebook-Xing-2.Auflage.pdf

 

Networking Schritt 1: Ziele

Glaubenssätze und Ziele beim Netzwerken

«Ja, Netzwerken ist schon wichtig, aber…» Für viele Menschen beginnt die Reise zum Netzwerken mit einem Aber und für einen Teil von ihnen endet sie leider auch dort.

Ein Grund dafür sind innere Barrieren, negative Glaubenssätze, die wir im Laufe unserer Zeit gebildet haben und welche sich auch durch berichtete Vorteile kaum ändern lassen. Glaubenssätze sind Verallgemeinerungen aus früheren Erfahrungen; seien diese selbst erlebt oder übernommen worden. Der Glaubenssatz «Ich bin zu gehemmt fürs Netzwerken» könnte dadurch entstanden sein, dass man es mehrmals nicht geschafft hat, eine bestimmte Person anzusprechen, oder dadurch, dass eine vertraute Person einem dies mehrmals gesagt hat; häufig ist es sogar beides. Diese negative Erfahrung möchte man natürlich in Zukunft vermeiden. Der eigene Glaubenssatz schützt einen davor, wobei wir da auch schon bei der Krux wären. Unser Gehirn neigt zum Energiesparen, kein Wunder, denn wir verbrauchen ca. 20 % unserer Energie für dessen Leistung und das, obwohl es gerade mal 2 % unserer Körpermasse ausmacht. Es versucht also, sich und uns die Mühen, die mit dem Verlassen unserer Komfortzone zusammenhängen können, zu ersparen. Dabei fehlt es dem Gehirn leider an Weitblick, um zu sehen, dass wir langfristig vom Netzwerken profitieren würden. Um das zu ändern, müssen wir uns jenes Mechanismus bedienen, der zur Einprägung der Glaubenssätze geführt hat: unseren Emotionen.

Es reicht somit nicht, uns den generellen Vorteilen bewusst zu sein, sondern uns erstens daran zu erinnern, welche positiven Erlebnisse wir beim Netzwerken hatten, und zweitens uns auszumalen, was wir durch das Netzwerken erreichen wollen, nämlich unser Ziel. Je stärker wir Netzwerken mit positiven Emotionen verbinden können, umso schwerer werden es hindernde Glaubenssätze haben.

Die Methode der Visualisierung wird häufig von Spitzensportlern genutzt, um ihre Performance zu verbessern. Sie spielen schwierige Situationen, Bewegungsabläufe oder Verhaltensweisen immer wieder bewusst in ihrem Kopf durch. Dies hilft, mentale Hindernisse zu bewältigen. Eine Vorgehensweise, die mentales Training genannt wird und sich eine Eigenheit unseres Gehirns zunutze macht, nämlich, dass es nicht gut zwischen Phantasie und Realität unterscheiden kann. Ein Effekt, den viele beim Schauen eines Horrorfilmes schnell bemerken – und bedauern.

Das Visualisieren unseres Ziels mit den Gefühlen, welche wir bei dessen Erreichung verspüren, verstärkt den Abbau unserer inneren Hindernisse. Das Idealbild bietet den perfekten Nährboden für ein hilfreiches (auch wenn zugegebenermassen vielleicht etwas altmodisches) Gefühl: die Sehnsucht. Ein Gefühl, welches die Macht hat, uns aus unserer Komfortzone zu ziehen.

In diesem Zusammenhang sollten wir zwischen zwei Zielarten unterscheiden; langfristigen und kurzfristigen. Mein langfristiges Ziel beim Netzwerken könnte zum Beispiel sein, einen bestimmten Job zu finden, einen grossen Bekanntenkreis aufzubauen, vernetzt und kreativ zu arbeiten u.v.m. – perfekt für eine Visualisierung des Idealzustandes, aber nicht für das Initiieren einer Netzwerkbegegnung. Menschen z. B. zu fragen, ob sie einen Job für uns haben, weckt meist nur das Gefühl des Bittstellertums, und wer hat schon stets einen Job in der Tasche, den er oder sie vergeben könnte? Im Gegensatz dazu helfen kurzfristige Ziele, die eigenen kleinen Erfolge messbar zu machen, was uns stärker ins Handeln bringt. Den Fokus kurzfristiger Ziele beim Netzwerken kann man auf zwei Dinge richten: Menschen, mit denen ich in Kontakt kommen will, sowie Informationen, die ich von anderen erhalten will.
Wie sieht das nun konkret für das Netzwerken aus? Im Folgenden stellen wir Ihnen zwei fiktive Personen vor, die Sie durch unser Modell begleiten werden und die zwei unterschiedliche Ziele und Vorgehensweisen beim Netzwerken haben: Julia und Urs.

Die Führungskraft: Julia
Julia ist 37 Jahre alt und seit kurzem Führungskraft in einem Konzern. Sie arbeitet als Teamleiterin in der IT. Ihr langfristiges Ziel ist es, mit anderen interessanten Menschen in Kontakt zu kommen, um mehr Spass bei der Arbeit zu haben.

Ihre kurzfristigen Ziele sind: Was bietet das Unternehmen zum interdisziplinären Austausch an? Wer ist an so einem Austausch interessiert? Gibt es bereits kreative Zusammenschlüsse von Menschen, denen ich mich anschliessen kann? Wer kann mir dabei helfen, ein solches Netzwerk zu finden oder aufzubauen?

Der Stellensuchende: Urs
Urs ist 52 Jahre alt und seit über einem halben Jahr arbeitssuchend. Seine letzte Position als Sachbearbeiter wurde aufgrund von Umstrukturierungen eingespart. Ihm fällt es schwer, sich mit seinen Bewerbungsunterlagen gegen die (teils jüngere) Konkurrenz durchzusetzen und er möchte deshalb mit Netzwerken eine Stelle in einem grösseren KMU finden (langfristiges Ziel).

Seine kurzfristigen Ziele sind: Wie erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, mit meinem Dossier eingeladen zu werden? Was biete ich Firmen im Gegensatz zur jüngeren Konkurrenz? Welche Firmen stellen eher ältere Arbeitnehmer ein? Zudem will er mit bestimmten Entscheidern und Vorgesetzten in direkten Kontakt kommen, aber mehr dazu in den nächsten Teilen unserer Serie.

Im Folgenden finden Sie einige Ideen für die Visualisierung und für Ihre Ziele:


(1.) Positive Erlebnisse mit Netzwerken

  • Rufen Sie sich Ihre positiven Erlebnisse mit Netzwerken in Erinnerung.
  • Wie haben Sie sich in diesen Situationen gefühlt?
  • Woran lag es, dass Sie diese Situationen positiver erlebt haben als andere?
  • Was lernen Sie daraus für Ihre persönliche Netzwerkstrategie?

(2.) Bestimmung und Visualisierung des Ziels

  • Was möchten Sie langfristig durch Netzwerken erreichen?
  • Wie werden Sie sich fühlen, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben?Versuchen Sie sich diesen Zustand und Ihre Gefühle so genau wie möglich vorzustellen. Verweilen Sie ein paar Minuten in diesem Bild und wiederholen Sie diese Übung an mehreren wiederkehrenden Tagen für ein paar Minuten.
  • Welche Informationen würden Ihnen helfen?
  • Wer kann Ihnen diese Fragen beantworten?
  • Wer kann Sie in Kontakt zu diesen Personen bringen?

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Beantwortung dieser Fragen und der Erforschung, wie Netzwerken für Sie ein positives Erlebnis wird. Fangen Sie doch gleich damit an!

Autor: Jonas Najdzion