Resilienz – was sonst?

Die Kraft (nicht nur) aus dem Inneren

Beim aktuellen Anlass des Netzwerks be like Grace in Bern nahm Christoph Lindinger die Anwesenden mit auf die Reise zum Gesundheitsthema Resilienz. Forschungsergebnisse1 zeichnen hier ein klares Bild: Soziale Unterstützung trägt dazu bei, resilienter zu werden. Netzwerke bieten genau das.

Dass es sich bei Resilienz, der Fähigkeit, Widrigkeiten zu trotzen und sogar daran zu wachsen, nicht nur um eine rein individuelle Frage handelt, sollte klar sein. Viele Umweltfaktoren spielen eine Rolle und dies schon seit dem frühesten Zeitpunkt der Kindheit. So genügt es nicht, Mitarbeitende aufzufordern, sich um die eigene Resilienz zu kümmern. Auch Arbeitgebende stehen in der Pflicht. Betrachtet man allerdings die Einflussmöglichkeiten, die ein einzelner Mensch realistischerweise hat, so kommt man zuerst immer auch auf das persönliche Handeln, Fühlen und Denken. Hier liegt oft der Schlüssel, ob ein Ereignis als dauerhaft belastend oder als ein vorübergehender Stress wahrgenommen wird. Die Zahlen sprechen für sich. Nach dem Lockdown 2020 haben über 80% von Teilnehmenden an einer Langzeitstudie des Mainzer Instituts für Resilienzforschung diese Zeit als eher wenig belastend erlebt und nur ein geringer Anteil (8.4%) fühlte sich nachhaltig beeinträchtigt2. Dass in der Öffentlichkeit ein anderes Bild entstand, hat sicher auch mit der Berichterstattung in den Medien zu tun, bei der diese Minderheit eine deutlich zu laute Stimme erheben konnte.

Wie wir wissen, neigen wir Menschen zu einem «negativity bias» (der Überbetonung von negativen Ereignissen) und gute Nachrichten verkaufen sich leider schlecht bis gar nicht. Genau dies, nämlich eine eher schwierige Herausforderung im Nachhinein auch in einem positiven Licht sehen zu können, kann jedoch helfen, resilienter zu werden. Dass es einzelne Menschen leichter haben als andere, ist auch neurologisch bedingt. Während es einer Mehrheit gelingt, die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol nach einem belastenden Erlebnis rasch wieder auf ein Normalmass zu begrenzen, hält bei einigen Menschen dessen Produktion unvermindert an. Selbst in Ruhephase können sie deshalb nicht herunterfahren.

Wir wissen heute, dass Training einen positiven Effekt haben kann und dass Umweltfaktoren einen insgesamt höheren Anteil an der Resilienz haben als genetische Voraussetzungen. Somit lohnt sich die Investition in, wie es ein Autorenteam aus den USA nannte, «mastering life’s greatest challenges»3.

Skillsgarden bietet neben einem Grundlagenvortrag dazu auch ein massgeschneidertes Training mit dem Titel «Leading myself» an, welches auf genau diese zentrale menschliche Kompetenz fokussiert. Dabei dreht es sich vor allem darum, einen eigenen wirksamen Weg zu finden und sich wenige, ganz konkrete Strategien aus der Vielzahl der Möglichkeiten auszusuchen, um dann Stück für Stück das eigene psychische und physische Immunsystem zu stärken. Selbst kleine Erfolge können hier bahnbrechend sein.

Autor: Christoph Lindinger

Quellen:

1Poulton, R., Moffitt, T. E., & Silva, P. A. (2015). The Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study: Overview of the First 40 Years, With an Eye to the Future. Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, 50(5), 679-693.

2Ahrens, K.F., Neumann, R.J., Kollmann, B. et al. Impact of COVID-19 lockdown on mental health in Germany: longitudinal observation of different mental health trajectories and protective factors. Transl Psychiatry 11, 392 (2021). https://doi.org/10.1038/s41398-021-01508-2

3Southwick, Steven M., Charney, Dennis S. & DePierro, Jonathan M. (2023). Resilience. The science of mastering life’s greatest challenges. Cambridge University Press. Cambridge.