Kein Networking-Profi? – Kein Problem: Neue Erkenntnisse aus der Arbeitsmarktforschung

Bei Skillsgarden setzen wir uns seit Jahren mit dem Thema der Stellensuche auseinander. Die Erfahrungen, wie Stellensuchende diesen Weg beschreiten, sind sehr unterschiedlich. Deshalb haben sich Katrin und Mirjam, ganz nach unserem Firmenmotto „from Science to Skills“ zusammen mit der Universität Zürich auf die Suche nach Erklärungen gemacht. Nun erschien dazu in der Fachzeitschrift „Applied Psychology“ eine Studie, deren Erkenntnisse hier kurz zusammengefasst werden.

Worum geht es in dieser Studie?

Um das physische und psychische Wohlbefinden im Allgemeinen sowie auch bei der Stellensuche sicherzustellen, braucht es unterschiedliche Ressourcen. Bestehende Ressourcen können positive oder negative Kettenreaktionen auslösen und so dabei helfen, neue Ressourcen aufzubauen, aber auch dazu führen, dass der Verlust von Ressourcen weitere Verluste nach sich zieht. Deshalb müssen bereits vorhanden Ressourcen bewahrt und noch fehlende Ressourcen neu aufgebaut werden. Diese Überlegungen bilden die Basis der Studie mit der sogenannten Theorie der Ressourcenerhaltung (Conservation of Resources Theory (COR)). In unserer Studie liegt der Fokus vor allem auf persönlichen Ressourcen wie das Vertrauen in eigene Fähigkeiten für eine erfolgreiche Stellensuche (Selbstwirksamkeitserwartung) und auf sozialen Ressourcen, wie die Unterstützung durch das persönliche Umfeld oder die Fähigkeit, soziale Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Es wurde untersucht, ob und wie diese Ressourcen mit dem Erfolg bei der Jobsuche zusammenhängen.

Zusätzlich zur Theorie der Ressourcenerhaltung wurde ein Effekt untersucht, der besagt, dass hohe Werte in einem Bereich niedrige Werte in einem anderen Bereich ausgleichen können (der sogenannte Äquifinalitätseffekt). In diesem Kontext wurde angenommen, dass ein hohes Mass an persönlichen Ressourcen ein tiefes Mass an sozialen Ressourcen kompensieren kann – und umgekehrt.

Wie sah der Ablauf aus?

Insgesamt wurden 89 arbeitslose Personen für sechs Monate bei der Jobsuche begleitet. Während dieses Zeitraums wurden die Teilnehmenden an vier verschiedenen Zeitpunkten befragt. Um die verschiedenen Ressourcen zu messen, wurden sie aufgefordert, zu folgenden Punkten Aussagen zu machen: Ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bei der Jobsuche, die Unterstützung, die sie von ihrem Umfeld dabei erfahren und ihre Aktivität bezüglich des Aufbaus und der Pflege ihres sozialen Netzwerkes.

Darüber hinaus wurde erhoben, mit welcher Intensität die Teilnehmenden tatsächlich nach Jobs suchten und wie viele Einladungen zu Bewerbungsgesprächen sie in dieser Zeit erhielten. So konnte erfasst werden, wie sich die Ressourcen der Teilnehmenden über die Zeit veränderten und den Erfolg der Jobsuche beeinflussten.

Was kam dabei heraus?

Nicht überraschend zeigen die Ergebnisse, dass Personen, die aktiv nach neuen Kontakten suchten und ihr bestehendes Netzwerk pflegten, im Schnitt intensiver suchten und mehr Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhielten. Das gilt auch für Personen, die viel Vertrauen in ihre Fähigkeiten hatten, ihre Bewerbungsunterlagen erfolgreich zu gestalten. Erstaunlicherweise hatte die soziale Unterstützung durch Freunde und Familie keine Auswirkungen auf den Erfolg bei der Stellensuche.

Spannend war darüber hinaus die neue Erkenntnis, dass sich diese beiden Arten von Ressourcen gegenseitig beeinflussen. Wenn jemand sehr gut vernetzt ist, kann damit fehlendes Selbstvertrauen kompensiert werden – und umgekehrt, wenn jemand ein grosses Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat, kann damit fehlende Vernetzung kompensiert werden. Für eine erfolgreiche Jobsuche muss man also nicht in allen Bereichen stark sein.

Was bedeutet das für Arbeitssuchende und Jobcoaches?

Für Arbeitssuchende selbst bietet diese Studie eine ermutigende Botschaft: Auch wenn ihnen in einem Bereich Ressourcen fehlen, können sie durch Stärken im anderen Bereich trotzdem genauso erfolgreich sein.

Für Arbeitsvermittlungen, Jobcoaches und Berufsberater*innen bieten diese Erkenntnisse ebenfalls wertvolle Anregungen. Statt den Fokus nur auf Schwächen und Mängel zu legen, können sie ihn stattdessen auf Stärken setzen und damit die fehlenden Ressourcen in anderen Bereichen ausgleichen.

Die Studie legt ausserdem nahe, dass es nicht immer notwendig ist, teure und zeitaufwändige Förderprogramme anzubieten, die alle Arten von Ressourcen abdecken. Stattdessen könnte eine gezielte Förderung, welche auf die individuellen Bedürfnisse der Arbeitssuchenden ausgerichtet ist, effektiver und auch kosteneffizienter sein.

Haben wir euer Interesse geweckt? Die vollständige Studie findet ihr hier.

Autorin: Jana Mumenthaler