Self-Leadership I Teil 1 I Was ist Self-Leadership? Und warum ist es wichtig?

Teil 1: Was ist Self-Leadership? Und warum ist es wichtig?

Teil 2: Selbstwahrnehmung und Zielsetzung

Teil 3: Aufgabenmotivation

Teil 4: Hilfreiche Gedanken


Was ist Self-Leadership?

„Wer die Welt bewegen will, muss zuerst bei sich selbst beginnen.“

Dieses Zitat wird Sokrates zugeschrieben. Sokrates lebte von ca. 469 v. Chr. bis 399 v. Chr. im antiken Athen. Betrachten wir seine Worte genauer, erkennen wir ein Konzept, dass auch heute – 2500 Jahre später – als Schlüsselfaktor in der Arbeitswelt identifiziert wurde.

Eine internationale Studie des McKinsey Global Institute (2021) zeigt: Um in der Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich zu sein, braucht es mehr als Fachwissen. 18’000 Personen aus 15 Ländern bewerteten 56 Schlüsselkompetenzen – darunter ein ganzer Bereich, der dem Self-Leadership gewidmet ist (Dondi et al., 2021).

Self-Leadership lässt sich am besten beschreiben als der Prozess der Selbstbeeinflussung (Hals et al., 2020). Dabei nehmen wir Einfluss auf unsere Gedanken, Gefühle und unser Verhalten bei der Arbeit (Harari et al., 2021).

Hast du dich zum Beispiel jemals gefragt, was dich in deinem Beruf antreibt, und Energie gibt? Was, ausser Lohn und Status, deinen inneren Motor antreibt? Oder wo dir deine Gedanken regelmässig ein Bein stellen? Je mehr wir lernen, uns selbst zu beobachten und zu beeinflussen, desto besser können wir solche Fragen beantworten und bewusster im Alltag handeln. Insbesondere für Führungskräfte ist dieser Hebel entscheidend – denn wie Sokrates schon wusste, Selbstführung ist die Voraussetzung für Wirkung nach aussen.


Was es (nicht) ist

In Gesprächen mit Mitarbeitenden und Führungskräften stellen wir oft fest, viele glauben Self-Leadership sei ein Synonym für Selbstmanagement. So nach dem Motto: Ach so, du meinst To-do-Listen schreiben und Aufgaben priorisieren – mach ich ständig! Doch stimmt das wirklich?

Marco Furtner hat 2017 ein kurzes Buch über Self-Leadership veröffentlicht, in dem er zeigen konnte, dass Self-Leadership klar von anderen populären Konzepten wie Selbstmanagement oder Führung unterschieden werden kann. Selbstmanagement bezieht sich auf unsere Arbeitsweise und darauf, wie wir effizient und effektiv sein können. Je besser wir uns managen, desto besser können wir uns organisieren. Zum Beispiel helfen uns Techniken wie Prioritäten setzen oder die Pomodoro-Methode dabei, lange To-do-Listen besser zu bewältigen. Und was geschieht, wenn wir plötzlich vor einer Aufgabe stehen, die sich anfühlt wie ein grauer Montagmorgen – zäh, unangenehm und schwer anzupacken? Ob wir es gerne tun und/oder uns dabei voll engagieren, ist eine andere Sache als sie effizient und effektiv zu tun. Hier sprechen wir über Self-Leadership.

Self-Leadership bedeutet beispielsweise, ich bin in der Lage, meine Gedanken in einem solchen Moment neu zu ordnen, sodass ich den Wert in einer ursprünglich demotivierenden Aufgabe erkenne. Self Leadership bedeutet sich selbst so zu führen, dass Motivation nicht nur von der Aufgabe ausgeht – sondern von der inneren Haltung dazu.

Unterschiede zwischen Self-Leadership und Selbstmanagement

Es bleibt die Frage offen: Warum ist diese Fähigkeit gerade heute so gefragt? Was macht Self-Leadership zu einer Schlüsselkompetenz?


Warum ist Self-Leadership wichtig?

In einer Arbeitswelt voller Tempo, Wandel und Unsicherheit reicht Fachwissen allein oft nicht mehr aus. Wenn sich rundherum alles verändert, braucht es Beweglichkeit – von Mitarbeitenden und Führungskräften. Gemeint ist die Fähigkeit, sich selbst zu steuern, neu auszurichten und handlungsfähig zu bleiben – auch ohne klare Vorgaben von aussen. «Reponse instead of react» ist das Credo. Bedeutet, auf äussere Einflüsse nicht unbewusst zu reagieren, sondern bewusster zu antworten – insbesondere in herausfordernden Situationen.

Diverse Studien belegen positive Auswirkungen von Selfleadership auf: Leistung, Kreativität und Innovation, Selbstwirksamkeit, Arbeitszufriedenheit und Engagement (Harari et al., 2021; Knotts et al., 2021).

Und das praktische an Self-Leadership ist, es endet nicht am Büroschreibtisch – es unterstützt uns auch im Privatleben und in unseren Beziehungen.


Das klingt gut – „sich selbst führen“. Aber was heisst das eigentlich konkret im Alltag?

Genau hier setzt die aktuelle Skilledge Newsletter-Reihe an. In den kommenden drei Ausgaben tauchen wir tiefer ein in die drei zentralen Säulen von Self-Leadership, wie sie von Houghton und Kollegen (2012) beschrieben wurden. Jede Säule bringt nicht nur theoretisches Fundament, sondern auch praktische Werkzeuge zum Ausprobieren mit.

Wir werfen einen Blick auf:

  1. Selbstwahrnehmung & Zielsetzung
  2. Aufgabenmotivation
  3. Hilfreiche Gedanken

Im nächsten Beitrag tauchen wir tiefer in die erste Säule von Self-Leadership ein: Selbstwahrnehmung und Zielsetzung – bleibt also dran!

Dieser Beitrag ist Teil der Skilledge Reihe. Teilen Sie ihre Meinung oder diskutieren Sie mit uns im zughörigen LinkedIn Beitrag.


Quellen

Dondi, M., Klier, J., Panier, F., & Schubert, J. (2021). Defining the skills citizens will need in the future world of work. McKinsey & Company.

Furtner, M (2017). Self-leadership.

Harari, M. B., Wang, M., & Viswesvaran, C. (2021). Self-leadership and performance outcomes: An updated meta-analysis. Leadership Quarterly, 32(6), 101446. https://doi.org/10.1016/j.leaqua.2021.101446

Houghton, J.D., Dawley D. & DiLiello C. T. (2012). The Abbreviated Self-Leadership Questionnaire (ASLQ): A More Concise Measure of Self-Leadership. International Journal of Leadership Studies, 7(2), 216-232

Houghton, J.D. & Neck, C.P. (2002). The revised self‐leadership questionnaire: Testing a hierarchical factor structure for self‐leadership, Journal of Managerial Psychology, 17 (8), 672-691.

Knotts, J. D., Lind, E. M., & Lemoine, G. J. (2021). Self-leadership in organizations: A review, integration, and future research agenda. Journal of Organizational Behavior, 42(6), 752–770. https://doi.org/10.1002/job.2500

Neck P.C., Manz C.C. & Houghton D.J. (2020). Self-leadership: The Definitive Guide to Personal Excellence. Sage Publications