Dispositionaler Optimismus
Dispositionaler Optimismus beschreibt den Einfluss einer positiven Erwartungshaltung auf die Ergebnisse des eigenen Handelns. Menschen mit einer solchen genetischen Veranlagung sind damit im Vorteil. Auch Pessimisten können Optimismus lernen, ohne in die Falle des toxischen positiven Denkens zu tappen.
Menschen mit hohem dispositionalem Optimismus tendieren dazu, die Welt und ihre Lebensumstände in einem positiven Licht zu sehen. Verantwortlich für diese Grundhaltung machen Forscher neben der genetischen Disposition auch frühkindliche Erfahrungen. Damit wären also die Karten von Anfang an ungleich und somit auch unfair verteilt. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Wie eine Vielzahl von Studien zeigen konnte, lässt sich ein gesunder Optimismus durchaus trainieren. Eine Vielzahl bekannter Übungen könnte auch den Vertretern der halb leeren Gläser helfen, Herausforderungen als Chancen zu sehen. Voraussetzung ist lediglich das Vertrauen darin, dass Training hilft.
Drei wesentliche Lernfelder sind es, die zu den entscheidenden Vorteilen einer solchen optimistischen Grundhaltung führen können. Studien zeigen, dass Optimisten tendenziell gesünder sind, besser mit Stress umgehen können und schneller von Krankheiten genesen.
- Positive Lebenseinstellung: Menschen mit dispositionalem Optimismus sehen Herausforderungen eher als Chancen und sind daher weniger anfällig für Resignation. Sie bleiben damit auch länger handlungsfähig.
- Bewältigungsstrategien: Optimistische Menschen neigen dazu, problemfokussierte Strategien zu verwenden und aktiv an Lösungen zu arbeiten, während Pessimisten häufiger vermeidende Strategien einsetzen.
- Unterschied zu unrealistischem Optimismus: Dispositionaler Optimismus ist nicht gleichzusetzen mit naiver oder unrealistischer Positivität. Es geht um eine allgemeine, aber realistische positive Erwartungshaltung.
Ganz sicher geht es also nicht darum, selbst im Angesicht schlimmer Ereignisse stets die rosarote Brille aufzusetzen. Barbara Ehrenreich, eine amerikanische Wissenschaftsjournalistin, schrieb in ihrem Buch «smile or die» über die absurden Versuche einer Selbsthilfegruppe, ihr die Vorteile einer Erkrankung beizubringen. Es sei das Beste, was ihr habe passieren können, wurde behauptet. Solche abenteuerlichen Umdeutungen kritischer Lebensereignisse helfen sicher nicht, skeptische Menschen dazu zu bewegen, an ihrer Grundhaltung zu arbeiten.
Der italienische Philosoph Antonio Francesco Gramsci nannte es in seinen Gefängnisheften den «Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens.» Original: «Pessimismo dell’intelligenza, ottimismo della volontà.», um eine Haltung zu beschreiben, die intellektuelle Nüchternheit mit einem unerschütterlichen Willen zum Handeln verbindet. Dem kann man sich mit ruhigem Gewissen anschliessen, auch wenn die Umstände schwierig sind.
Ehrenreich, B. (2010). Smile or Die. How Positive Thinking Fooled America & The World. Granta. London
Gramsci, A. (1991). Gefängnisbriefe. Argument Verlag. Hamburg
Sumit, P.-C. (2025).The Bright Side. Why Optimists Have the Power to Change the World. Canongate. Edinburgh
